24.06.2019 – Alttestamentliche Figuren gegenwärtig in den Königsgestalten

Die zweite Sitzung des ReliForums im Sommersemester 2019 fand am 24.06.2019 ab 18.00 Uhr in der Heinrich-von-Buz-Realschule in Augsburg statt. Diese Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Königsgestalten. Da die Königsgestalten ein komplexer und schwieriger Themenbereich sind, war der Experte Dr. Dominik Helms von der Universität Augsburg anwesend. Als Alttestamentler kennt er sich mit den Königsgestalten sehr gut aus. Dr. Helms begann den Abend mit der Frage nach den drei Hauptkönigsgestalten der Bibel. Lediglich ein Student wusste die Antwort: Saul, David, Salomo. Herr Dr. Helms erklärte, dass er sich bei seiner anschließenden Ausführung zu den Königsgestalten auf David beschränken werde, da dieser beispielhaft für das Wesentliche der Königsgestalten sei.

Zunächst präsentierte er ein Bild des Elahtal. Dieses Tal war der Schauplatz, der dramatischen Auseinandersetzung zwischen den Philistern und den israelitischen Bauern, welche in einem Zweikampf zwischen zwei ungewöhnlichen Gegnern gipfelte. Der Riese Goliath kämpfte gegen den schönen, jungen Schafshirten David. Dabei besiegte David Goliath lediglich mit einem Stein und einer Steinschleuder. Nur durch sein unerlässliches Gottvertrauen konnte der offensichtlich unterlegene David seinen viel stärkeren Gegner besiegen.

Über diesen als Held gefeierten David, wird auch in den Samuel Büchern berichtet. Zu der damaligen Zeit herrschte der König Saul über Israel und an seinem Hof war der junge Schafshirte David angestellt. Mit der Zeit wurde David ein erfolgreicher Krieger und Milizführer, der vom Volk verehrt wurde, aber von König Saul aus Neid gehasst. Aufgrund verschiedener Auseinandersetzungen mit dem amtierenden Herrscher Saul, flüchtete David in die Wüste. Dort ließ er sich von den Philistern instrumentalisieren und wurde zum Verräter seines eigenen Volkes. Später wird auch vom Ehebruch mit Bazeba und dem Mord an ihrem Ehemann Uria berichtet. Trotz all dieser schlimmen Taten spricht Gott David seine ewige Treue zu und David wird nach Sauls Tod zum König des Volkes Israel gesalbt.

Die Erzählungen über David zeigen, dass auch der von Gott auserwählte David menschliche Schwächen hat. Seine Geschichte ist eine klassische Aufstiegsgeschichte eines jungen Helden. Biblische Texte sind literarische Bilder, die möglicherweise auf historische Ereignisse verweisen. Jedoch das Wesentliche an ihnen ist, dass sie zwar von der Vergangenheit erzählen, aber für die Gegenwart und Zukunft eine Bedeutung haben. Deshalb wurden im Anschluss für die Studierenden drei verschiedene Unterrichtsentwürfe vorgestellt, zum einen zu König David und zum anderen zu Josef, der am Königshof angestellt war.

Das Angebot von Prof. Dr. Riegger befasste sich mit der Josefsnovelle und richtete sich an die Sekundarstufe. Die Studierenden versammelten sich in einem Stuhlkreis und jeder erhielt zwei Bilder einer Bildergeschichte. Anschließend sollten alle Studierenden die Bilder betrachten. Jedes Bild stellte einen Teil der Josefserzählung dar. Die Aufgabe der Studierenden war, dass sie ihre Bilder kurz beschreiben und den Bildern der anderen zuordnen. Letztendlich sollten alle 20 Bilder, in der richtigen Reihenfolge, in der Mitte des Sitzkreises liegen. Durch diesen Vorgang wurde die Josefgeschichte rekonstruiert. Auch für eine Schulklasse würde sich diese Art der Rekonstruktion eignen. Allerdings sollte die Geschichte im Voraus genau behandelt werden.

Anschließend wurden die Teilnehmenden befragt, welche einzelnen Elemente sie herauskristallisieren würden, um sie mit einer Klasse zu besprechen. Die Studierenden erwähnten zunächst die Geschwisterrivalitäten zwischen Josef und seinen Brüdern. Den meisten Kindern und Jugendlichen, sind jene Art von Rivalitäten bekannt. Sie können sich in die Situation des Josef und seinen Brüdern hineinversetzen und der Geschichte wird somit ein lebensnaher Zugang verliehen. Ein weiteres Element der Geschichte, welches thematisiert werden sollte, ist der Verrat der Potifar. Dieser Teil enthält auch sexuelle Anspielungen, die auf das Niveau einer sechsten Klasse angepasst werden sollten, beispielsweise durch den Ausdruck „er gefällt ihr“. Ein drittes wichtiges Element ist die Versöhnung zwischen den Brüdern. Dabei sollte mit den Lernenden diskutiert werden, woran zu erkennen ist, dass eine Entschuldigung ernst gemeint ist. Hierbei spielt besonders Vertrauen eine wichtige Rolle.

Für das Arbeiten mit der Josefgeschichte in einer Schulklasse, gab Prof. Dr. Riegger den Studierenden Materialien an die Hand. Dabei handelte es sich um ein Geheft mit verschiedenen Gestaltungselementen und Materialien und außerdem um ein Arbeitsblatt, mit welchem die Brunnensituation gut behandelt werden kann. Dafür müssten die Lernenden eine Joseffigur ausschneiden und in die Mitte des Arbeitsblatts kleben, welches den Brunnen darstellt. Anschließend werden um die Figur Sprechblasen geklebt, in die die Lernenden ihre Ideen schreiben, was Josef in dieser Situation gedacht, gesagt oder gebetet haben könnte.

Das zweite Angebot von Frau Graf-Zanker befasste sich ebenfalls mit der Josefsnovelle. Die Zielgruppe dafür war allerdings die Grundschule. Hier wurde die Josefserzählung anhand eines Bodenbildes rekonstruiert. Hauptelemente waren dabei Kleider, die Josef im Laufe seines Lebens getragen hat. Diese standen sinnbildlich für die verschiedenen Lebensstationen. Die Kleider waren zunächst noch nicht geordnet. Diese Aufgabe war den Studierenden überlassen. Frau Graf-Zanker wies darauf hin, dass man im Unterricht für jedes Kleid/ Lebensstation ca. eine Unterrichtsstunde einplanen sollte. Anschließend würde sie das Lied „Und Josef hats mit Gott gemacht“ abspielen, um die Geschichte noch einmal Revue passieren zu lassen.

Bodenbild

Im nächsten Schritt bekam jeder Studierende eine Wortkarte. Auf diesen war eine Rolle Josefs aufgeschrieben und man sollte sie den verschiedenen Lebensstationen zuordnen. Danach erhielten die Teilnehmenden ein Arbeitsblatt. Darauf sollte man sich selbst eine Rolle aussuchen und dazu drei Sätze ergänzen. Der erste Satz „Ich bin“ befasst sich mit den Gefühlen Josefs in der ausgewählten Rolle. Zur Unterstützung wurden dazu Gefühlskarten im Bodenbild ergänzt. Der zweite Satz „Ich frage mich“ bezieht sich darauf, was Josef in dieser Situation gedacht haben könnte. Der dritte Satz „Vielleicht“ enthält Gedanken und Wünsche, die Josef an Gott richtet. Als Hilfe gab es hierzu Psalmen aus der Bibel, die ebenfalls im Bodenbild Platz fanden. Nach der Bearbeitung des Arbeitsblattes wurden einzelne Beispiele vorgestellt.

Ein weiterer Schritt in der Unterrichtssequenz ist es, Josefs Leben in Höhen und Tiefen einzuordnen. Dazu werden die Kleider nach oben und unten verschoben, um so die Höhen und Tiefen zu symbolisieren. Die Kleider werden dann mit einer Schnur verbunden und dieser Weg wird von den Lernenden gedeutet. Der Abschluss dieser Sequenz, befasst sich mit dem Thema „Die Spuren Gottes in dem Leben anderer wahrnehmen“. Dabei sollen die Lernenden noch einmal die Josefsgeschichte wiederholen und sinnbildlich die Kleider auf dem Boden mit Glitzerstaub bestreuen, wo sie Gottes Spuren erkennen können. Frau Graf-Zanker stellte den Studierenden das dafür verwendete Material zur Verfügung.

Der dritte Workshop thematisierte die Königsgestalt David und wurde von Herr Dr. Joachim Sailer angeboten. Seine Unterrichtsideen eignen sich für die Sekundarstufe und könnten in ca. sechs Schulstunden behandelt werden. Zunächst präsentierte er ein Bild (Der Schäfer David aus: Religion verstehen 6, 489.), auf welchem der schöne Jüngling David, sitzend auf einem toten Löwen abgebildet ist. In seinem rechten Arm hält David ein Lamm und der linke Arm zeigt in Richtung Himmel. Herr Dr. Sailer forderte die Studierenden auf das Bild genau zu betrachten und auf sich wirken zu lassen. Anschließend sollten Auffälligkeiten des Bildes genannt werden. Dabei wurde beispielsweise erwähnt, dass das Bild eine ungewöhnliche Situation darstellt. Der unschuldig wirkende David sitzt triumphierend auf einem toten Löwen, welcher auch als König der Tiere bezeichnet wird. Durch die genaue Beschreibung und Auseinandersetzung mit dem Bild wurde deutlich, dass die Geschichte „David gegen Goliath“ darin entdeckt werden kann.

Im nächsten Schritt wurden Lernaufgaben präsentiert. Diese könnten beispielsweise auf der Basis des Textes „David gegen Goliath“ stattfinden. Die Lernenden hätten die Aufgabe den Text zu lesen und daraufhin sollten sie ein Cluster zu den Eigenschaften Davids erstellen. Auch die Studierenden sammelten Begriffe, wie „mutig“ oder „gottesfürchtig“ und notierten diese neben dem Bild. Durch diese Textarbeit kann die Botschaft des Textes herausgearbeitet werden und die Eigenschaften des David, die ihn zu seinem Sieg führten, werden deutlich. An die Textarbeit könnte eine Plenumsdiskussion angeschlossen werden, welche sich beispielsweise mit der Frage „Was gehört zum richtigen Verhalten eines Menschen, der über andere Macht hat? Formuliere Regeln!“ beschäftigen könnte. Zur Sicherung der Ergebnisse könnten die Lernenden anschließend notieren, welche Positionen in der Klasse vertreten wurden.

Eine andere Möglichkeit das Thema zu behandeln wäre auch das Übertragen der Davidgeschichte auf den heutigen Kontext. Beispielsweise könnten die Lernenden aufgefordert werden Beispiele zu suchen, in denen heute Menschen Macht missbrauchen oder Grenzen verletzen. Die MeToo-Bewegung wäre ein aktuelles Beispiel.

Die Salbung Davids zum König ist ein weiterer Ansatzpunkt, um mit der Geschichte im Unterricht zu arbeiten. Mit den Schülerinnen und Schülern kann herausgearbeitet werden, dass auch heute noch Jungen und Mädchen bei der Firmung gesalbt werden und somit jeder gefirmte Mensch eine königliche Würde besitzt und unter dem besonderen Schutz Gottes steht. Auch die negativen Seiten des David könnten in einer Lernaufgabe behandelt werden. Dafür könnte das Bild „David“ von Katrin Hettenhauer betrachtet und gedeutet werden. Anschließend könnten die Lernenden aufgefordert werden, einen kurzen Text über den König David zu verfassen. Dieser Text könnte zum Beispiel mit den Worten „David, der König mit zwei Seiten …“ beginnen.

Im letzten Teil seines Workshops, stellte Herr Dr. Sailer den Studierenden Anwendungssituationen vor, die für das Arbeiten mit der Davidgeschichte geeignet wären. Eine dieser Anwendungssituationen wäre das Erläutern des Zitats „Ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, einen Unterschied zu machen“ von Greta Thunberg, auf dem Hintergrund der Erzählung von David gegen Goliath. Auch die Umrisszeichnung des Bildes „David“ von Katrin Hattenhauser bietet eine kreative Anwendungssituation. Schülerinnen und Schüler könnten die Umrisszeichnung mit Farben, Wörtern und Sätzen gestalten und anschließend in einem kurzen Text Stellung beziehen.

Zum Abschluss des Abends versammelten sich alle Teilnehmenden noch einmal in einem Klassenzimmer. Dabei wurde betont, dass die Königgestalten die Zuhörenden dazu anregen wollen, über sich selbst und Gott nachzudenken. Dr. Sailer stellte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Reflexion des Abends noch drei Fragen:

1. Was hat Ihre Königsgestalt mit ihnen als Person zu tun?
2. Wie kann Gott inmitten der Welt erfahren werden?
3. Welches Gottesbild wir dabei dargestellt?

In der Reflexion fassten die Teilnehmenden noch einmal die Botschaft der Davidgeschichte zusammen. Man kann als kleiner Mensch auch viel bewirken, denn in jedem von uns steckt durch die Firmung, ein König. Und wie uns die Josefserzählung zeigt, steht Gott uns in jeder Lebenssituation zur Seite und hat einen Plan mit uns.

Theresa Reichhold
Franziska Pongratz
Natalie Schönwälder