08.07.2019 – Alttestamentliche Figuren gegenwärtig in den Propheten/Prophetinnen

Der letzte Abend des diesjährigen Reliforums fand am 08.07.2019 in der Franz-von-Assisi- Schule in Augsburg statt. Nachdem wir in den ersten beiden Sitzungen des Reliforums die alttestamentlichen Figuren gegenwärtig in den Erzelternerzählungen und in den Königsgestalten näher betrachtet haben, führt uns Herr Prof. Dr. Riegger in das Thema Propheten/Prophetinnen im Alten Testament ein. Dabei geht es in der heutigen Sitzung darum, Propheten und Prophetinnen des Alten Testaments kennenzulernen und die Bedeutung ihres prophetischen Handelns auf heute zu übertragen.

Doch was sind Propheten/innen überhaupt? Um diese Frage zu klären, schauen wir uns zunächst eine knappe Zusammenfassung über die Propheten in der Bibel an. Dabei erfahren wir in einem Video, dass Gott Propheten und Prophetinnen aufruft um zu den Menschen zu sprechen. Sie leben in der Gegenwart Gottes und teilen den Menschen mit, was sie von Gott hören. Herr Prof. Dr. Riegger stellt uns die Frage, was wir besonders wichtig am prophetischen Handeln finden. Ein Student entgegnet, dass sie stellvertretend für die sprechen, die von den Mächtigen nicht gehört werden und Probleme, wie soziale Ungerechtigkeit, ansprechen, die auch in der heutigen Zeit noch bestehen. Eine Studentin erzählt außerdem, dass Propheten/innen oft Mut aufbringen mussten, um auf Unrecht hinzuweisen. Besonders beeindruckend findet ein Student, dass die Propheten/Prophetinnen ganz normale Menschen der damaligen Zeit waren.

Herr Prof. Dr. Riegger betont, dass Propheten/innen nicht die Zukunft vorhersagen, sondern eine Botschaft von Gott aussprechen. Diese kann eine Mahnung, eine Gerichtsdrohung, aber auch Trost und Ermutigung sein. Der Prophet richtet seine Botschaft in der Regel mündlich aus, erst später wurden seine Worte aufgeschrieben. Die Forschung unterscheidet zwischen vier großen Propheten (Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel) und zwölf kleinen Propheten (Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja und Maleachi). Allerdings gibt es im Alten Testament nur wenige Hinweise auf Prophetinnen, denn die Prophetenrolle war männlich dominiert.

Nach der Begrüßung und thematischen Hinführung werden den teilnehmenden Studenten und Studentinnen vier verschiedene Workshops vorgestellt. Dabei gibt es einen Workshop für die Grundschule, einen für die Mittelschule/Sekundarstufe und zwei für Realschule/Gymnasium. Die Studierenden haben die Möglichkeit an zwei von vier Kursen teilzunehmen.

Den Arbeitskreis für die Grundschule leitet Frau Templer-Fieger. Sie stellt uns eine Unterrichtsstunde zu Jona, der Angst mit Mut begegnet, vor. Dabei betont sie, dass die Jonageschichte die SuS (Schülerinnen und Schüler) in vielen Lebensphasen betrifft, vor allem zu Zeiten des Übertritts (1. Klasse, 4. und 5. Klasse). Die Geschichte soll ihnen zeigen, dass neben den menschlichen Grunderfahrungen wie Angst, Wut, Ärger und Zorn auch die ambivalenten Gefühle wie Geborgenheit, Hoffnung, Mut und Zuversicht stehen. In ihrem Unterricht teilt sie die Jonageschichte in mehrere Phasen auf und erarbeitet mit den SuS zusammen ein Bodenbild. In der ersten Erzählsequenz erzählt sie ihren Schülern, dass Jona von Gott den Auftrag bekommt nach Ninive zu gehen um den Menschen zu sagen, dass Gott die Stadt zerstören will, weil die Menschen dort gemein und streitsüchtig sind. Die Wut, die bei Jona aufkommt, weil er nicht dorthin möchte wo die Menschen sich bekriegen, sollen die SuS in Ton hineinkneten. Die nächste Erzählsequenz thematisiert wie Jona auf ein Boot flüchtet und ein Sturm aufkommt. Diesen können die SuS mit Instrumenten und Tüchern nachstellen. Anschließend dürfen die SuS die Angst Jonas, als dieser merkt, dass der Sturm ihm verschuldet ist, in Regenbogenpapier kratzen. Jona wird in der darauffolgenden Erzählsequenz von Bord geworfen und von einem Wal verschluckt. Seine Wünsche und Gefühle, die er dort hat, schreiben die Kinder auf Sprechblasen aus Papier. Dann wird Jona vom Wal ausgespuckt und geht nach Ninive. Hier spürt er die Geborgenheit Gottes. Die SuS formen hierzu eine Schale, welche die Hand Gottes darstellen soll, die einen immer trägt. Am Schluss betont Frau Templer-Fieger, dass es wichtig ist, das Erarbeitete auf die Lebenswelt der SuS zu übertragen. Was sind die Ängste der SuS? Wo spüren sie Geborgenheit?

Hierfür ist die geformte Hand Gottes ein gutes Bindeglied, in die nun die SuS ihre Ängste hineinlegen können.

Herr Prof. Dr. Riegger leitet den Workshop für die Mittelschule bzw. Sekundarstufe. Hierbei erzählt er von Judith, welche keine Prophetin ist, jedoch durch ihren Mut mit dem Handeln von Propheten/innen verglichen werden kann. Herr Prof. Dr. Riegger betont, dass dieses Thema zwar nicht ganz einfach zu thematisieren ist, jedoch die SuS oftmals begeistert und Reaktionen wie „Was? Sowas steht in der Bibel?“ hervorruft. Als Einstieg erarbeitet Herr Prof. Dr. Riegger gemeinsam mit den SuS die Herkunft und das Leben Judits, anhand von Fragen, wie „Woher stammt Judit?“, „Wie lebt sie?“. Anschließend erzählt Herr Prof. Dr. Riegger die Geschichte von Judith, welche durch die Köpfung des Holofernes ihre Stadt vor dem König Nebukadnezzar rettete. Besonders wichtig ist es, zu thematisieren, dass eine Frau, während alle Männer feige waren, ihren ganzen Mut zusammennimmt und zu einer Retterin wird.

Frau Paul, Frau Egloffstein und Frau Alfia stellen in ihrem Workshop eine Unterrichtsstunde für Realschule/Gymnasium über den Propheten Jona vor. Zum Einstieg beginnt Frau Paul mit der Frage, in welcher Situation wir schon vor einer Aufgabe standen, vor der wir am liebsten geflohen wären. Daraufhin nennen Studierende Situationen wie Klausuren oder Streit, welche auf runden Kärtchen notiert werden. Diese werden als Bodenbild in Form eines Menschen angeordnet. Dieser Mensch soll für Jona stehen und somit leitet Frau Paul über zu dem Propheten, der sich ebenfalls in solch einer Situation befand.

Frau Alfia erzählt die Geschichte von Jona, dabei wird das Bodenbild ergänzt, indem um den Menschen ein Wal entsteht. Im Wal bemerkt Jona, dass er einen Fehler gemacht hat und betet zu Gott. SuS sollen ein mögliches Gebet von Jona formulieren, diese werden am Bodenbild um den Wal platziert.

SuS erfahren, dass ich als Mensch Fehler machen darf und Gott trotzdem immer da ist und sie sich im Gebet an ihn wenden können. Frau Paul weist darauf hin, dass es wichtig ist, die SuS wissen zu lassen, dass Jona nach Ninive gehen und damit seine Heimat verlassen muss. Das heißt, er muss zu den Heiden gehen, die nicht an den Gott Israels glauben und ein unbarmherziges Volk sind. An diesem Punkt wird den SuS klar, warum Jona sein Land nicht verlassen möchte. Besonders interessant an der Jonageschichte ist die Tatsache, dass sich Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Wals befindet. Hier spricht Frau Paul den Bezug vom Alten Testament zum Neuen Testament an, da Jesus am dritten Tage auferstanden ist (Mt 12,40). Durch die Geschichte von Jona wird deutlich, dass Gott sich an alle Menschen richtet und nicht nur an ein Volk.

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Im zweiten Workshop für Realschule/Gymnasium wird der Prophet Amos, ein Mann der sozialen Gerechtigkeit zu Zeiten des Unrechts, thematisiert. Dabei stellt Herr Koch seine Lehrprobe zu Amos vor. Zunächst geht er auf seine Vorstunde ein, in der die SuS die Lebenswelt von Amos kennenlernten. Als Einstieg für die Lehrprobe präsentiert Herr Koch vier Bilder und richtet die Frage an uns, was wir darauf sehen können. Ein Student beschreibt, dass er auf den Bildern soziale Ungerechtigkeit sieht, so haben manche Kinder Essen und Spielzeug, andere nicht.

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Herr Koch leitet zum Propheten Amos über, indem er darauf hinweist, dass es Ungerechtigkeit schon immer gab und Amos, diese Ungerechtigkeit anklagt. Dafür erstellte Herr Koch ein Video. Anschließend erfolgt die Sicherung auf einem Arbeitsblatt, das Herr Koch im Comicstyle gestaltete. Er wählte diese Form, da sie aus der Lebenswelt der SuS kommt und so das Thema zugänglich macht. Daraufhin wird die Bibelstelle behandelt, durch ein Rollenspiel vertieft und auf dem zweiten Arbeitsblatt gesichert. Am Schluss der Stunde zeigte Herr Koch eine PowerPoint Folie mit der Aufschrift „Amos ist lange tot, was er sagt interessiert uns nicht mehr.“, um damit die SuS zu einer Stellungnahme aufzufordern.

Den Abschluss des ReliForums leitet Herr Prof. Dr. Riegger mit dem Satz „Wenn wir nicht gegen den Strom schwimmen, wer dann?“ ein und fordert damit die Studierenden auf, sich Gedanken darüber zu machen, welches Thema wir in einer Rede an die Menschheit weitergeben wollen. Daraufhin erwähnte eine Studierende, dass besonders das Thema Umweltschutz, Klima und Natur eine Bedeutung für sie hat. Herr Prof. Dr. Riegger zeigte daraufhin ein Video von Greta Thunberg, eine schwedische Schülerin, die sich für Umweltschutz einsetzt, indem sie eine Rede vor den Vereinten Nationen (UN) hält. Abschließend resümiert Herr Prof. Dr. Riegger, dass es immer Probleme geben wird, aber auch Menschen, die den Mut haben etwas zu ändern. Deshalb sind alle dazu aufgerufen, auf Gott zu vertrauen und den Mut zu haben etwas zu ändern. Dadurch wird deutlich, dass Jona und die anderen Propheten nicht vergangene Gestalten sind. Vielmehr sollten wir uns von diesen Gestalten des Alten Testaments inspirieren und leiten lassen.

Franziska Besel
Laura Lindenthal

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