14.05.2018 – Frieden suchen… im Herzen

Dem übergeordneten Thema des Reliforums im Sommersemester 2018 entsprechend, begrüßten uns am Anfang der Sitzung diese beiden Worte auf blauem Tuch in der Mitte des Meditationsraumes: „Frieden Suchen“. Nachdem wir uns mit dem Lied „Suche den Frieden“ von Norbert M. Becker auf das Thema eingestimmt hatten, sollten wir uns zunächst selbst mit dem bedeutsamen Thema „Frieden“ beschäftigen.

Einstieg

Hierzu bekamen alle Anwesenden ein Blatt, auf dem in Großbuchstaben das Wort FRIEDE untereinander aufgeschrieben war (orange im Bild). Unsere Aufgabe war es nun, zu jedem Buchstaben eine Assoziation (ein Wort, einen Satz, etc.) zu finden und diese zu notieren. Zunächst waren wir alle ganz still mit unseren Gedanken beschäftigt und durften uns dann mit unseren Nachbarn in kleinen Gruppen à 2-3 Personen austauschen.
Nach einer kurzen Diskussion sammelten wir im Plenum die Schlüsselbegriffe, die in den einzelnen Gruppen für wichtig empfunden wurden. Diese wurden auf gelbe Karten geschrieben und auf dFrieden suchen 1em blauen Tuch unter das Wort Frieden gelegt. Es wurden unter Anderem genannt:

  • Freiheit
  • Liebe
  • Verzeihen
  • Hoffnung
  • Respekt
  • Geschenk (Frieden als Auf-Gabe)
  • und (innerer) Reichtum.

Vor allem die letzten beiden Begriffe brachten uns auf Shalom, den biblischen Friedensbegriff. Wir erfuhren, dass er sehr umfassend gebraucht wird und übersetzt nicht nur „Heil“ bedeutet, sondern auch „ganz sein“ – im Sinne von physischer oder auch psychischer Unversehrtheit – als auch
Wohlfahrt und Ruhe (in Sicherheit sein, in Frieden sein).Frieden suchen 2
Da es sich also um einen sehr weitreichenden Begriff handelt, sollte sich der Abend des 14.05.2018 lediglich mit dem Aspekt „Frieden suchen im Herzen“ beschäftigen. Schon Augustin sagte: „Unruhig ist das Herz, bis es ruht in dir.“ Wegen der Sehnsucht nach Frieden im Herzen empfiehlt er, in die
Stille zu gehen. Doch das ist, wie wir selbst noch ausprobieren durften, gar nicht so einfach. Denn in unserem Inneren ist es nicht unbedingt still. Das altbekannte Gedankenkarussell macht es schwer wirklich die Ruhe im Moment zu finden.
Entweder man wird in die Vergangenheit gezogen – Wo war ich? Was hab‘ ich nun schon wieder vergessen? Wie blöd war ich, als ich den Regenschirm daheim gelassen habe? – oder die Gedanken eilen einem voraus in zukünftige Eventualitäten – Morgen hat mein Sohn Geburtstag, ich brauche noch ein Geschenk! Wann plane ich meinen Urlaub? Wird er mit mir ins Kino gehen?
Und wenn schon die Gedanken es schwermachen, so machen die Emotionen – die entweder mit den Gedanken zusammenhängen, sie verdrängen, oder komplett unterschiedlich sind – es noch schwerer einfach die Stille in sich zu finden.

Frieden suchen 3

Abbildung 1  http://www.f-bwfilmbe-wertung.com/film/alles-_steht_kopf

Um dies zu verdeutlichen sahen wir uns den Trailer zum Animationsfilm
„Alles steht Kopf“ (<a href=“https://www.youtube.com/watch?v=5ejWNY-
2ckQ“>YouTube Link</a>) an und betrachteten die fünf Grundemotionen des
Menschen: Ekel (grün), Wut (rot), Angst (lila), Freude (leuchtend gelb) und
Kummer (blau). Kurz wurde erklärt, dass die Emotionen des
Hauptcharakters zusammenarbeiten müssen, um Frieden im Herzen zu
erreichen
Nun stellt sich allerdings die Frage: „Was für einen Beitrag kann die Schule leisten, um für den Friede im Herzen zu sorgen?“ Genau dieser Frage entsprechend wurden vier Workshops gestaltet:
1.  Von der Angst zum Vertrauen /Prof. Dr. Manfred Riegger / 3. bis 6.Klasse
2. Sakrament: Versöhnung mit dem Selbst, Gott und anderen /
Frater Florian Mosche / Sek. I
3. Kannst du dir selbst Freund sein? / Dr. Joachim Sailer / Sek. I
4. Die Kunst sich selbst anzuschauen / Monika Graf-Zanker / Grundschule

 

1. Workshop: Von der Angst zum Vertrauen

Nachdem wir uns in einem Kreis gesetzt hatten, Frieden suchen 4legte Hr. Riegger eine laminierte Karte in die Mitte des Kreises. Auf dieser war zu
lesen: „Sie haben eine Grube für mich gegraben.“ (Psalm 57,7). Kurz wurde uns die Zeit gegeben, um über den Satz nachzudenken
und zu überlegen in welcher Situation jemand diesen Satz sagen könnte. Dann durften wir in einem kurzen Blitzlicht unsere Eindrücke nennen:

  • Jemand, der ausgeschlossen wird.
  • Jemand, dem es unnötig schwer gemacht wird.
  • Jemand, dem eine Falle gestellt wurde.
  • Ein Schüler/eine Schülerin, der/die eine schlechte Note bekommen hat.

Ziel war es, sich in die Situation hineinzufinden, diese mit eigenen Erfahrungen zu verbinden und den Satz erst persönlich und dann in der Gruppe zu reflektieren. Dies wurde nun in einer nächsten Aufgabe kreativ unterstützt, als wir aufgefordert wurden, an einen Tisch zu gehen und unterschiedliche Aussagen (z.B. „Ich bin wie ein zerbrochenes Gefäß“, „Mir steht das Wasser bis zum Hals“ oder „Ich bin ausgeschüttet wie Wasser“) leise zu lesen. Dann wählten wir eine Aussage aus,
und malten dazu ein Bild oder notierten eine Geschichte, die uns in den Sinn kam. Anschließend trafen wir uns im Kreis wieder.
Im Stuhlkreis wurden im Anschluss verschiedene Zeichnungen besprochen. Doch das eigentliche Ziel war es nicht, dass wir uns mit den Zeichnungen und den Sprüchen auseinandersetzen, die für alle sehr persönlich waren, sondern, dass wir Frieden suchen 5einen Schritt zurück gehen und das Prinzip der Korrelation betrachten, welches sich hier vor unseren Augen vollzogen hatte. Dadurch, dass bei diesen Bildern und der Erläuterung an etwas – eine Situation, ein Erlebnis – gedacht worden war, geschah Korrelation. Auch die gemeinsame Besprechung regte Korrelation an. Dieser Schritt ist im Unterricht generell essenziell. Beispielhaft besprachen wir dies anhand des Beispiels :„Ich bin wie ein zerbrochenes Gefäß“. Schüleräußerungen könnten dabei sein:

  • Ich bin geschimpft worden, weil ich etwas runtergeschmissen habe.
  • Ich bin innerlich zerbrochen, mein Herz hat einen Knacks bekommen, als mein Freund Schluss gemacht hat.

Hier lässt sich erkennen, dass beide Äußerungen unter zwei unterschiedlichen Entwicklungsstufen getroffen wurden. Die erste Aussage versteht das zerbrochene Gefäß nicht als Symbol, sondern wortwörtlich. Schülerinnen und Schüler die dem mythisch-wörtlichen Glauben angehören, können die zweite Aussage nicht verstehen, allerdings kann dies Diskussionen anregen.
An einem zweiten Tisch waren weitere Karten ausgelegt und wir sollten nun einen Satz finden, der in unserem Empfinden Linderung zu dem ersten Satz – der von uns beschriebenen Situation– bedeutet (z.B. „Du tröstest mich in der Angst“, „Du hältst mir den Kopf hoch“ oder „Deine Hand hält mich fest“). In unserer Gruppe hatte niemand den Fall, dass er keinen Satz finden konnte, allerdings kann es natürlich vorkommen, dass einige Schülerinnen und Schüler keine Aussage als Linderung empfinden, denn nicht alles ist mit einem Satz einfach wieder gut. Hr. Riegger verriet uns, dass er das Wort „Gott“, welches in der Bibel anstelle des „Du“ stand, aus gutem Grund ersetzte. Durch das Wort „Du“ ist es den Schülerinnen und Schülern möglich, sich jemand Konkretes vorzustellen, der die Handlung ausführt. So kann es Gott, aber auch ein Bekannter oder Freund sein, der in dem „Du“ aktiv wird. Somit werden bestimmte Situationen einfacherbegreifbar. Auch sehen wir ein, dass Korrelation zwar zunächst einerseits konkret in der persönlichen Vorstellung ist, gleichzeitig aber auch ein Suchprozess. Ganz wichtig ist es, nicht zu sagen, dass die Sätze aus der Bibel stammen, damit die Vorstellung der Schülerinnen und Schüler angeregt wird und sie es auch auf ihren Alltag beziehen können.
Das Ganze muss nicht über Malen oder Schreiben gemacht werden, man kann die Schülerinnen und Schüler auch anweisen, ein Monument zu bauen oder durch ihre Körperhaltung auszudrücken, was der Satz für sie bedeutet. Wichtig ist, dass die Schülerinnen und Schüler an einer verfremdeten Situation mit ihrer Angst bzw. Bedrückung in Berührung kommen, da dann die Distanz gewahrt wird, um über eine Sache reden zu können.
Zum Schluss sprachen wir noch über die verschiedenen Ebenen von Angst, denn es ist wichtig, die verschiedenen Ebenen zu kennen, da mit jeder unterschiedlich umgegangen werden muss. Dafür sei zu empfehlen, sich verschiedene Gesprächstechniken anzueignen, da auswendiggelernte Antworten nicht auf alle Fragen zutreffend sind.
Individuell –  Angst vor:

  • der Dunkelheit
  • Albträumen
  • dem Alleinsein etc.

gesellschaftlich – Angst vor:

  • Mobbing
  • Krieg
  • Prüfungen i.d. Schule

kosmollogisch_ Angst vor

  • Naturkatastrophen.

2. Workshop: Sakrament: Versöhnung mit dem Selbst, Gott und anderen

Als Einstieg in diesen Workshop haben wir uns mit unseren persönlichen Erinnerungen an die Beichte beschäftigt und auch mit dem Gedanken, was wir unter Beichte verstehen. Als Impuls diente uns das Bild „Absolvo“ von Heidi Esch und die Frage „Was hat dieses Bild mit der Beichte zu tun?“. Gedanken, die dabei aufkamen waren:

  • Wasser ist die Quelle des Lebens
  • Wasser ist rein
  • durch die Beichte ist alles wieder im Fluss
  • ein Abwasserkanal ist zu sehen

Im Anschluss beschäftigten wir uns mit den Fragen „Warum könnte eine Beichte befreiend wirken?“ und „Welche Vorurteile könnte man gegenüber der Beichte haben?“. Hierbei fanden wir heraus, dass viele von uns seit der Erstkommunion keinerlei Bezug zur Beichte hatten. Dies ist wahrscheinlich auf die Schülerinnen und Schüler übertragbar und zeigt, wie bedeutend die Auseinandersetzung mit dem Sakrament der Beichte ist.

Im Zentrum des Workshops stand das Buch „YOUCAT. Update! Beichten!“ von Herrn Klaus Dick, welches wir uns einige Minuten angeschaut haben, um einen ersten Einblick zu bekommen. Das Buch ist für Jugendliche aufbereitet und versucht in der Jugendsprache zu sprechen. Der Inhalt sollte in der Unterrichtspraxis als Rahmen dienen und nicht wortwörtlich übernommen werden. Nachdem sich die Jugendlichen damit beschäftigt haben, ist es wichtig, dass Raum für einen individuellen Zugang zum Thema Beichte und die Möglichkeit, Statements zu äußern geschaffen wird. Nach dieser Vorbereitung werden die Jugendlichen aufgefordert, ihre Fragen als Ergebnissicherung an die Tafel zu schreiben. Die Beantwortung der Fragen erfolgt im Plenum und durch die Lehrkraft. Typische Schülerfragen können sein: „Muss das Beichtgeheimnis immer eingehalten werden?“ oder „Vergibt Gott alle Sünden?“. Zur weiteren Vertiefung werden die Schülerinnen und Schüler zum Perspektivenwechsel aufgefordert, indem sie sich in die Rolle einer Person versetzen, die sich mit der Beichte gut und in einer, die sich mit der Beichte nicht gut auskennt. Zwei bis vier Unterrichtseinheiten sollten für die Sequenz ausreichend sein, damit es die Jugendlichen nicht überfordert und gleichzeitig die Motivation für das Thema erhalten und hoch bleibt. Die Sequenz kann mit einer Umfrage abschließen, ob eine Beichte von der Lehrkraft organisiert werden soll. Dabei
ist es dienlich, wenn ein Priester anwesend ist oder ein Grußwort über das Handy als Einladung gezeigt wird.
3. Workshop: Kannst du dir selbst Freund sein?

In diesem Workshop ging es um das Verhältnis von dem Selbst und dem Ich. Nachdem sich alle im Klassenzimmer zusammengefunden hatten, ging der erste Blick eines Jeden an das vorbereitete Tafelbild.
Wir bekamen den Auftrag, drei Eigenschaften einer Person aufzuschreiben. Im Anschluss stellte Herr Dr. Sailer die Frage, welche Seite wem leichter fiel. Den meisten Teilenehmern fiel die linke Seite, also der lachende Smiley leichter. Was völlig normal sei, wie er meinte. Als Impuls schrieb er unter die Tabelle „=Ich“ mit den Worten „Das sind sie“. Im Anschluss erhielten wir den Raum darüber nachzudenken und erste Äußerungen, wie „Das bin nicht ich“ und Verwunderungen wurden laut. Weiterhin stellte er die Frage: „Wie ging es ihnen mit der Verbindung des lachenden und traurigen Smileys hin zum Ich?“. Es wurde deutlich, dass die Eigenschaften, die wir an dem anderen als positiv bzw. negativ wahrnahmen, in Wahrheit ein Spiegel unseres Selbst sind. Das ICH wird am DU zum ICH. Dieser Satz beschäftige uns während des Workshops.

Frieden suchen 6.jpg
Herr Dr. Sailer erklärte uns, dass wir immer eine Rolle spielen, dass das ICH eine Rolle spielt. Er verdeutlichte uns dies anhand der Schülerinnen und Schüler. Diese haben in der Schule eine andere Rolle, als außerhalb in ihrer Peergroup. Es sind immer wieder andere Rollen, aber entscheidend und wichtig ist, sagt er, dass das Selbst sich mit dem ICH nicht identifizieren darf. Weiter meinte er, wenn
wir jemanden kennenlernen spielen wir eine Rolle. Dies sei wichtig, denn sonst funktioniert es unter Umständen nicht. Ebenso muss sich zwar ein Schauspieler mit einer Rolle identifizieren, aber gleichzeitig muss er immer wieder zurücktreten und sagen: „Wer bin ich, bin ich wirklich das Gretchen das ich hier spiele?“. Wenn dieses Zurücktreten nicht stattfindet entsteht ein Problem. Übertragen bedeutet dies, wenn man die ganzen negativen Seiten seiner Persönlichkeit ausblendet, ist man beim Narzissmus. Dann stellt man sich nur als der besonders Gute, der Selbstverliebte dar. Wichtig ist es, positive und negative Eigenschaften die wir haben zu integrieren und in den Blick zu nehmen.
David Steindl Rast, ein Benediktinermönch sagt zu dieser Frage – Wer bin ich?- : „Im letzten bin ich das Selbst und nicht die Rolle die ich spiele.“ Es sei ganz wichtig, dass wir uns das immer bewusst machen und bei der Frage „Wer bin ich?“, zurücktreten und sagen: „Wer bin ich im letzten Selbst?“. Die Entscheidung „Wer ich bin?“ trifft dieses Selbst, denn das Selbst ist eine Energie, eine Kraft die mich immer wieder treibt, die die Beurteilung fällt. Wenn ich friedlich bin, wird mein Selbst Frieden
schaffen und hervorbringen.
Anhand dieses Beispiels erklärt uns Hr. Dr. Sailer, dass dem Grunde nach ein christliches Menschbilddahinter steht. Jesaja schreibt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir“, diesbedeutet: „So wie ich bin, mit meiner positiven aber auch meiner negativen Seite, bin ich von Gottakzeptiert und anerkannt.“ Oder Jesus sagt im Markusevangelium: „Liebe deinen nächsten wie dichselbst.“, dann ist dieses Selbst „Das bin ich.“
Zum besseren Verständnis und als Anwendungsbeispiel erzählt uns Hr. Dr. Sailer eine Geschichte: Ein Mann fährt täglich mit dem Bus zur Arbeit. Jeden Morgen um dieselbe Zeit. Jeden Tag sitzt diese Frau mit ihm im selben Bus. Diese ist ihm aus unerklärlichen Gründen völlig unsympathisch, wie sie die Zeitung liest, wie sie sich kleidet, wie sie isst. Es war so weit, dass sie mir nicht nur während der Busfahrten allgegenwärtig war. Ich nahm sie mit nach Hause, erzählte meinen Bekannten von ihrem unerträglichen Schmatzen, ihrem Körpergeruch, ihrer Haut, dem abstoßenden Gesicht. Herrlich war es mir, mich in meine Wut hineinzusteigern. Ich fand immer neue Gründe, warum mich ihre bloße Gegenwart belästigte. Wurde ich belächelt, beschrieb ich ihre knarzende Stimme, die ich noch nie gehört hatte. Ärgerte mich, weil sie die primitivste Boulevardzeitung las und so fort. Man riet mir,
einen früheren Bus zu nehmen, doch das hätte für mich 10 min weniger Schlaf bedeutet. Sie würde mich nicht um meinen wohlverdienten Schlaf bringen, sagte ich. Vorgestern übernachtete meine Freundin bei mir. Am nächsten Morgen gingen wir zusammen zum Bus. Diese Frau stieg auch in den Bus und setzte sicFrieden suchen 7.jpgh an ihren Platz. Meine Freundin, der ich noch nie von dieser Frau erzählt hatte, lächelte plötzlich und flüstere mir ins Ohr: „Schau mal, diese Frau dort, also ich kann mir nicht helfen,aber irgendwie erinnert mich diese Frau unheimlich an dich. Wie sie isst und sitzt und wie sie schaut.“
Dies ist ein Beispiel, an dem wird es ein Stück sichtbarer: Das ICH wird am DU zum ICH.
Wie schaffen sie es, beide hälften zu integrieren. Wer bin ich wirklich, wie sehe ich mich selbst, mein Selbstbild.
4. Workshop: Die Kunst sich selbst anzuschauen

Im Mittelpunkt dieses Workshops stand das Buch „Heute bin ich“ von Mies van Hout frieden-suchen-8.jpgmit seinen prachtvollen und in schillernden Farben illustrierten Fischen. Jeder einzelne der Fische, welche sehr ausdrucksstark sind, zeigt eine andere Befindlichkeit. Schülerinnen und Schüler können sich in diesen Bildern sehr gut wiederfinden. Das Buch bietet zu jeder Befindlichkeit einen gemalten Fisch und auf der Folgeseite das entsprechende geschriebene Gefühl, beides lässt sich gut als Wortkarte verwenden.
Zunächst ordneten wir die Befindlichkeiten (Wortkarten) den entsprechenden Fischen zu. Dies kann auch für die Schülerinnen und Schüler ein erster möglicher Zugang zu diesem Material darstellen. Ebenso bietet es sich an, mit Zuckerkreiden die Fische malen zu lassen. Das Material bietet eine große Auswahl und schafft so die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler aufspielerische Art und Weise lernen, ihre Gefühle mit Hilfe der Fische auszudrücken. So wird die Kommunikation über die Gefühle und die Sensibilität der Kinder auf die Vielfalt der Gefühle gefördert, denn oft gelingt dies nicht, weil die Begriffe fehlen, um sich auszudrücken. Aber gerade die Mündigkeit und – damit
einhergehend – die Achtsamkeit mit sich selber ist es, was uns den Frieden im Herzen schenken kann. Die Lehrkraft sollte dafür den Raum öffnen und selbst authentisch von sich erzählen. So entwickelt sich eine Vertrautheit, die auch die Schülerinnen und Schüler wahrnehmen werden. Eine Vertrautheit in der Gruppe, aber auch eine Vertrautheit zu sich selbst und seinen Empfindungen. Ebenso kann eine Solidarität unter den Kindern entstehen – das Wissen darum, dass es auch anderen so geht wie mir. Die Kinder dürfen erfahren, dass es gut tut über Gefühle zu sprechen und gleichzeitig lernen, dass Gefühle auch etwas sind, die wieder abklingen, wenn man sie ruhen lässt. Aus diesem Grund müssen die Gefühle auch nicht immer rechtfertigt oder kommentiert werden und dürfen von der Lehrkraft und den Mitschülern nicht gewertet werden.
Frieden suchen 9Im Unterricht kann das Material gut in einem Anfangsritual für eine Befindlichkeitsrunde eingesetzt werden. Dienlich ist es, zuvor eine Auswahl an Fischen zu treffen und darauf zu achten, dass das Verhältnis von positiven und negativen Gefühlen ausgewogen ist. Eine Möglichkeit wäre folgende Auswahl: glücklich, neugierig, sorglos, stolz, ängstlich, zornig und betrübt. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich dann, wie sie sich heute fühlen und legen einen Glasstein auf die jeweilige Karte. In der Austauschrunde bietet es sich an, den Buchtitel „Heute bin ich“ als Satzanfang zu verwenden. Er ist klar und direkt und entspricht dem Sprachgebrauch der Schülerinnen und Schüler.
Auch wir durften diesen Schritt im Workshop praktisch umsetzten und bemerkten dabei, dass uns einige Gefühle, trotz der großen Auswahl, fehlten. An dieser Stelle ist es hilfreich, wie oben beschrieben, selbst noch Fische mit den Kindern zu gestalten und so die Auswahl zu ergänzen. Die Gefühlskärtchen können gut im Zusammenhang mit biblischen Geschichten zum Einsatz kommen. Auch bieten sich die Bilder gut an, um sie für den Schulanfangsgottesdienst einzusetzen.

Schlussrunde

Frieden suchen 10Die Reflexion der Schlussrunde stand unter der Überlegung, was der Nutzen der eben erlebten RU-Möglichkeiten für den Frieden im Herzen ist. Hierzu sollte sich jeder mit seinem Nachbarn unterhalten und Stichpunkte notieren, die in der Mitte auf dem blauen Teppich, neben den zu Anfang genannten Begriffen, gesammelt wurden. Grundsätzlich war zu erkennen, dass nicht alle zu dem gleichen Ergebnis kamen, allerdings alle Ergebnisse eine gleiche Grundlinie aufwiesen. Die Wirkung des RU sollte immer auf zwei Ebenen deutlich sein:

  1.  für den allgemeinen Nutzen und
  2. auf der individuellen Erlebnisebene.

Abrundend schlugen wir nun den Bogen zurück zum frieden-suchen-11.jpgWort Shalom, welches auch „Frieden im Herzen/Bauch“ bedeuten kann. Heute wird das Herz meistens mit Gefühlen gekoppelt und der Kopf (Kognition) als Gegenspieler der Gefühle (Emotionen) gesehen. Im Gegensatz zu der heutigen Ansicht, wird in der Bibel das Herz jedoch als jenes Organ gesehen, das alles verbindet. So gab es damals auch die Vorstellung, dass auch im Herzen gedacht wird. Erst durch die Verbindung von Emotion, Kognition und Gott ist gläubiges Denken möglich. Damit ist auch erst, wenn diese Verbindung gelingt, der Mensch weiseund fähig Frieden zu erleben. Diese Verbindung hat auch heute noch ihre Richtigkeit, auch wenn sich Emotionen heute nicht unbedingt auf die selben Situationen wie früher beziehen.

Abschließend durften wir den Abend mit einer Ruheübung ausklingen lassen. Dabei schlossen wir die Augen und versuchten alle Gedanken, die aufkamen loszulassen. Wir sollten uns dabei zur Entspannung aufrecht hinsetzen. Mit dem Anschlagen eines Tons begann die Übung.
Nach der Übung reflektierten wir im Plenum unsere Erfahrungen. Dabei erkannten wir, dass es gar nicht so einfach ist, vieles loszulassen und dass es geübt werden darf. Etwas, das für alle Menschen gleichsam gilt und so bedeutend ist, denn Frieden im Herzen kann man nur spüren, wenn man in der Ruhe ist.
Aber, wie erkennt man, dass man Frieden im Herzen spürt?– Dadurch, dass auf dem Gesicht ein entspanntes, leichtes Lächeln entsteht.

 

 

Quellen

Da viele schöne Ideen im Workshop vermittelt wurden, möchten wir hier soweit möglich, die Quellen zur Literatur zur verfügung stellen.
Dick, Klaus u.a.: YOUCAT. Update! Beichten! In: Gehrig, Rudolf (Hg.): YOUCAT, 2014.
Riegger, Manfred (2012): Angst und Vertrauen. Erfahrungen der Grenze in Klasse 4 wahrnehmen, beschreiben und überwinden. In: Kontakt : Informationen zum Religionsunterricht im Bistum Augsburg, Nr. 4: S. 50-56.
Van Hout, Mies: Heute bin ich. Aracari Verlag. Zürich. [9]2012 Zu dem Buch von Frau van Hout gibt es noch ein Kartenset der einzelnen Fische und Empfindungen.

 

Verfasser: Marion Born, Christin Freundlieb und Melita Stocker

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