25.06.2018 – Frieden suchen mit Gott

Diese Worte begrüßten uns auf dem blauen Tuch in der Mitte des Sitzkreises. Wie schon die zwei Sitzungen zuvor begannen wir auch diese Sitzung mit dem Lied von Norbert Becker „Suche den Frieden“. Die Sitzung die dem Protokoll zugrunde liegt stellt die letzte Einheit der Reihe „Frieden Suchen“ dar.

Einstieg
Zunächst bekamen wir alle ein Arbeitsblatt ausgeteilt auf dem ein Quadrat aus neun Punkten abgebildet war (Abb. 1). Die Aufgabe hier war es, die neun Punkte mit vier Linien zu verbinden.

25.6 Bild 1

Wenn dies auch zunächst als unmöglich erscheint so lernten wir, dass es möglich ist wenn man über den Bereich der Punkte hinaus geht.
Und hierum soll es eben gehen um das „gedankliche Außen im Religionsunterricht“. Wir thematisieren das naturwissenschaftliche Wirklichkeitsmodell sowie das religiöse Wirklichkeitsverständnis. Insbesondere letzteres ist für uns von Bedeutung. Denn dieses, so lernen wir, bezieht ein gedankliches Außen (der Schöpfer) mit ein, und schaut von außen auf die Welt (Welt-Anschauung).

25.06 Bild 2Um mit diesem gedanklichen Außen also unserem Schöpfer in Verbindung zu treten müssen wir über die Grenzen hinausgehen. Also ist das gedankliche Außen für uns Christen die Glaubensüberlieferung (die Auferstehung). Eben dieser Raum außerhalb der Punkte ermöglicht dem Glaubenden Deutungsmöglichkeiten. Der Schöpfer tritt also hier mit seinen Geschöpfen in Verbindung. Als Beispiele hier dienen uns die Erzählungen von Emmaus und Bartimäus. Insbesondere die Geschichte von dem blinden Bartimäus zeigt wie er, nach der Heilung, den Frieden mit sich und der Welt schließt. Hier wird auch die Forderung Franziskus zitiert „(…) aus sich selbst herausgehen (…) und an die Ränder gehen (…).“
Bevor wir in die Workshops gehen schließen wir mit einem Gemälde und einer Frage ab. Die unser Gelerntes nochmal veranschaulichen soll.
Wir sehen das Bild von Magritte „Der Scharfblick“. Auf diesem Gemälde sehen wir einen Künstler der ein Ei links von sich liegen hat und die Leinwand des Künstlers ist noch leer.
Nun wird uns die Frage gestellt, was der Künstler nun malen wird. Wir alle antworten letztendlich falsch. Nun wird uns das Original des Künstlers gezeigt. Hier ist ein fliegender Vogel abgebildet. Es dient als eine Überleitung „Über die Grenzen hinausgehen“ für die anschließenden Workshops.

25.6 Bild 3

 

Quelle: https://goo.gl/images/PfDj8Z

 

 

 

 

 

 

Abschluss

Nach den Workshops sind wir wieder in der ganzen Gruppe zusammengekommen.
Hier sehen wir nach weiteren Schlussfolgerungen für das Fach Religion das Bild des ehemaligen israelischen Verteidigungsministers und Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin. Als Überschrift über seinem Bild sehen wir seine bekannt gewordenen Worte „Ja zum Frieden, Nein zur Gewalt“. Rabin war einer der Architekten des Friedensprozesses im Nahen Osten was ihm schließlich das Leben kostete. Er hat außerhalb den neun Punkten gedacht um den Frieden voranzubringen.
Nach seiner Ermordung hält seine Enkeltochter eine Rede die es zur weltweiten Berühmtheit gebracht hat. Diese wird uns vorgelesen. In dieser Rede geht es nicht um den Frieden, sondern um ihren Großvater. Diese Rede spiegelt vermutlich das Empfinden der Emmaus Jünger dar.

Rede von Rabins Enkelin Yitzhak Noa Ben-Artzi bei der Trauerfeier für Rabin
[6. November 1995]

Verzeiht, dass ich nicht über den Frieden sprechen möchte. Ich möchte über meinen Großvater sprechen. Man erwacht immer aus einem Alptraum. Doch gestern erwachte ich in einem Alptraum – dem Alptraum eines Lebens ohne dich, und das kann ich nicht verkraften. Das Fernsehen hört nicht auf, dein Bild auszustrahlen. Du bist so lebendig und greifbar, dass ich dich fast berühren kann, aber eben nur „fast“, weil ich es ja nicht mehr kann.
Opa, du warst mein Feuer vor dem Lager, jetzt ist da nur das Lager ohne Feuer, allein in der Finsternis, und es ist so kalt und traurig für uns. Ich weiß, man spricht in großen Begriffen, man spricht von einer nationalen Tragödie. Doch versuch mal, ein ganzes Volk zu trösten oder es am privaten Schmerz teilnehmen zu lassen, wenn Oma nicht aufhört zu weinen, und wir stumm sind und das ungeheure Vakuum bemerken, das durch dein Fehlen entstanden ist!
Wenige kannten dich wirklich. Sie können eine Menge über dich sagen, aber ich fühle, dass sie nichts wissen über die Tiefe des Schmerzes, das Schreckliche und, ja, diesen Holocaust für — zumindest für uns, die Familie und die Freunde, die zurückgeblieben sind im Lager, ohne dich, unser Lagerfeuer.
Opa, du warst und bist immer noch unser Held. Ich möchte, dass du es weißt: Bei allem, was ich getan habe, habe ich dich immer vor Augen gehabt. Deine Achtung und Liebe haben uns bei jedem Schritt und auf jedem Weg begleitet, und wir haben im Licht deiner Werte gelebt. Du hast uns niemals im Stich gelassen, aber jetzt müssen wir dich allein lassen – dich, meinen ewigen Helden. Und ich kann nichts tun, um dich zu retten, dich, der du so wundervoll bist.
Größere als ich haben schon ehrende Worte für dich gefunden. Aber keiner von ihnen hat diese Zärtlichkeit von dir bekommen, diese weichen, warmen Hände und die herzlichen Umarmungen gefühlt, die nur für uns waren. Und dein angedeutetes Lächeln, das mir immer so viel gesagt hat, dieses Lächeln, das es nun nicht mehr gibt, das mit dir erfroren ist.
Ich habe kein Gefühl der Rache, weil der Schmerz und der Verlust in mir so groß sind, zu groß. Der Boden unter unseren Füßen ist fortgezogen. Jetzt versuchen wir, in diesem leeren, verlassenen Raum zu sitzen, irgendwie, ohne den geringsten Erfolg. Ich bin unfähig, mich loszureißen, aber es scheint, dass eine fremde Hand, ein schrecklicher Mensch, mir das Losreißen bereits abgenommen hat.
Ich habe keine Wahl, ich verabschiede mich von dir, einem Helden, und ich bitte, dass du in Frieden ruhst, und dass du an uns denkst und uns vermisst, weil wir hier unten dich so lieben. Die Engel im Himmel, die dich jetzt begleiten, bitte ich, gut auf dich aufzupassen und dich gut zu beschützen, weil du einen solchen Schutz verdienst. Wir werden dich lieben, Opa. Immer.

Quelle: http://www.dadalos-d.org/deutsch/Vorbilder/Vorbilder/rabin/trauerrede.htm
Wir schließen die Sitzung mit den Worten Jesus ab:
Auch wenn ich nicht mehr da bin, wird doch der Friede bei euch bleiben.
(Joh. 14, 27).

Nach dem informativen Teil beten wir noch zusammen und im Anschluss daran singen wir noch ein letztes Mal das Lied von Norbert Becker.

25.06. Bild 4

25.06. Bild 5

Workshop „Frieden mit Gott“
25.6 Bild 6Die Unterrichtseinheit wurde konzipiert für etwa 3-4 Unterrichtsstunden ab der 5. Jahrgansstufe.
Die Frage, die der Einheit zu Grunde liegt, lautet: Wie bringen wir den Schülerinnen und Schülern (in Folgendem abgekürzt als „SuS“) das Thema „Frieden mit Gott“ näher? Wie könne wir den zu vermittelnden Inhalt Schülergerecht aufbereiten?

1. Hinführung/ Einführung in den Themenbereich

Die SuS führen eine Umfrage zum Thema im Bekanntenkreis, Schule und in der Kirchengemeinde durch. Folgende Fragen sind beinhaltet:
1. Was verstehen Sie unter „Frieden mit Gott“?
2. Wie wichtig ist Ihnen „Frieden mit Gott“?
3. In welchen Situationen glauben Sie, dass „Frieden mit Gott“ besonders wichtig ist?
Anschließend werten die SuS die Interviews aus und gestalten in Gruppenarbeit je ein Plakat mit genannten Antworten. Anschließend präsentieren sie ihre Ergebnisse.

2. Erarbeitung anhand des 9-Punkte-Systems (siehe Einführung)

Ein Foto einer Lehrkraft der Schule (den Schülern bekannte Person), im Alter von 16 Jahren, wird and die Tafel gehängt. Das Foto zeigt die Lehrkraft beim Feiern. Anschließend sehen sich die SuS ein Interview mit dieser Lehrkraft an. Was war ihr in diesem Alter wichtig? Was erwartete/ wünschte sie sich für ihre Zukunft?
→ „Party machen, Klamotten & make-up, Auto, Handy“
→ „für die Zukunft einen reichen Mann, großes Haus, teures Auto…“

Tafelbild:

O   O   O             hier hängt das Bild der Lehrkraft im Alter von 16 Jahren
O   O   O
O   O   O

Nun schreiben die SuS schreiben auf Zettel, was die Lehrkraft für Antworten auf die Interviewfragen gab.25.6 Bild 7
Diese Zettel werden anschließend gesammelt und um das Foto an der Tafel herum aufgehängt.

Nun bringt die unterrichtende Lehrkraft die Wortkarte an der linken Seite der Tafel an:
„Und dann kam Afrika…“
Daraufhin gehen die SuS auf „Museumsrundgang“.
Hierfür wurden im Klassenzimmer Fotos der Lehrkraft, von ihrer Reise mit jeweils einem Zitat, angebracht.
Die SuS betrachten nach und nach die Fotos und Zitate. Den Wechsel von Foto zu Foto kann man beispielsweise durch das 25.6 Bild 8Ertönen einer Klangschale organisieren. Anschließend sollen die SuS einen einzelnen Gedanken zu den gesehenen Materialien aufschreiben, was sich bei der Person verändert hat. Diese Zettel werden um die Karte „Und dann kam Afrika…“ gehängt.

25.6 Bild 44

Zudem wird ein Foto der Lehrkraft nach ihrem Auslandsaufenthalt an der Tafel angebracht. Die unterrichtende Lehrkraft erläutert, dass die Person mit 16 Jahren ihren „Rahmen“/ ihre gewohnte Umgebung verlassen hat und dann nach dem Auslandsaufenthalt wieder in diesen Rahmen/ in diese Umgebung, welche sich nicht verändert hat, zurückkommt.
Somit befindet sich das Foto, welches die Person nach ihrem Auslandsaufenthalt zeigt, wieder im 9-Punkte-Rahmen.
Verbindung wird geschafft.
Nun wird den SuS die Frage gestellt, was sich an der Lebenssituation der Lehrkraft verändert hat. Hierfür werden die zwei unterschiedlichen Fotos im 9-Punkte-Feld, sowie die Zettel der SuS, welche die Zitate wiederspiegeln, betrachtet.
Erkenntnis:
An dem System/ der Umgebung/ der Lebenssituation der Person hat sich nichts geändert, aber dadurch, dass sie aus dem System herausgetreten ist (Auslandsaufenthalt) nimmt sie sich und das System nun anders wahr.
Bezug zu der Lebenssituation der einzelnen SuS:
Man muss den Weg aus dem Rahmen herausgehen, die vordergründige Sicherheit verlassen, um inneren Frieden und den Frieden mit Gott zu finden.
SuS dürfen je ihre eigene Formulierungen/ Erkenntnisse nennen, reflektieren und diskutieren.
Workshop zur Dreifaltigkeit
25.6 Bild 9Die Unterrichtseinheit wurde für alle Jahrgangsstufen ab der 3. Klasse konzipiert.
In der Mitte des Sitzkreises steht ein Spiegelprisma. (Auch eigenhändig herstellbar mit Spiegelfolie und dickerem Karton)
Im Inneren des Prismas befindet sich eine Muschel, später eine Kerze. Die SuS dürfen aus verschiedenen Perspektiven in das Prisma hineinschauen.
Anschließend dürfen die SuS formulieren, was sie gesehen haben. (unterschiedliche Muster, mal viele/ mal wenige Spiegelungen, …)
Ausgehend von dieser Idee sollen die SuS reflektieren, was für unterschiedliche Sichtweisen man auf Dinge und Personen haben kann.
Nun nimmt die Lehrkraft das Spiegelprisma aus der Mitte und legt stattdessen eine Karte mit dem Satz: „ich glaube an Gott…“ hin. Jeder SuS schreibt nun ein bis zwei Gedanken zu Gott auf. („Gott ist…“). Nachdem die Karten eingesammelt, neu gemischt und zufällig ausgeteilt wurden, liest jeder Schüler/ jede Schülerin laut vor, was auf seiner Karte steht.
In der Kreismitte werden um die Karte drei Tücher gelegt, welche die drei Personen Gottes darstellen. (gelbes Tuch = Vater, blaues Tuch = Sohn, braunes Tuch = Hl. Geist)
Die SuS sollen die Karten jeweils zuordnen. Bei uneindeutigen/ nicht trennscharfen Karten wird mit den Mitschülern überlegt und diskutiert.
Anschließend wird reflektiert, was im vergangenen Schuljahr schon zu den einzelnen/ dem Zusammenwirken der drei Personen gelernt wurde und Karten werden ergänzt.
Nun liest die Lehrkraft das Glaubensbekenntnis, bzw. vereinfachte Variation, vor.
SuS bekommen den Arbeitsauftrag noch Ergänzungen für das Bild in der Mitte zu finden, welche anschließend aufgeschrieben und ergänzt werden.

25.6 Bild 10Neue Überlegung: Wie verhalten sich die Aspekte/ Perspektiven des Göttlichen zueinander? Lehrkraft stellt das Spiegelprisma in die Mitte. Das Licht im Inneren des Prismas steht für Gott.
 SuS erkennen, dass sich Gott/ das Licht vervielfältigt
 Gott ist in sich Beziehung
 Die Lichter wollen verbreitet werden/ i.d. Welt hinausgebracht werden

Erweiterte Idee: Die Dreifaltigkeit Gottes anhand eines fidget-spinners aufzeigen. Bei Bewegung des spinners sind die drei Personen in Beziehung und werden eins.

Workshop – Mit Leidenschaft leben
Herr Prof. Rieggers Workshop „Mit Leidenschaft leben“ handelte vom Gleichnis des verlorenen Sohnes und dessen Umsetzungsmöglichkeiten in einer Mittelschulklasse.
Zur Erinnerung hier das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15, 11-32):

„Weiter sagte Jesus: ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte ihm sich auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verlorenen und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Aller er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.“

Zu Beginn des Workshops sollten wir Lehramtsstudenten uns Gedanken machen wie wir diese Geschichte in der Schule empfunden haben bzw. wie wir sie in Erinnerung behalten haben. Diese Gedanken wurden dann im Plenum ausgetauscht und wir kamen zu Ergebnissen wie: Das ist nicht fair; der jüngere Sohn ist böse und gierig; trotz begangener Fehler kann ich immer wieder zu meiner Familie zurückkehren. Diese Gedanken sollen wir im Bezug zum nächsten Methodenschritt im Hinterkopf behalten.
Es folgt der nächste Methodenschritt. Für diesen wird als Impuls ein Bild von Hieronymus Bosch auf dem Overheadprojektor betrachtet und die Studenten werden dazu aufgefordert sich Gedanken zu machen, was sie darauf sehen. Das Gemälde (15. Jahrhundert) zeigt einen Mann mit Rucksack auf dem Rücken und einem Stock in der Hand. Vielleicht sogar ein Wanderer. Die Wade des Mannes ist mit einer Binde umwickelt. Im Hintergrund sieht man ein Weidetor hinter dem sich eine Kuh befindet und einen Bauernhof mit Menschen und Hunden davor bzw. darin. Der Mann blickt über seine Schulter zurück. Nach den Beschreibungen der Studenten lässt Herr Riegger einen von uns die Pose des Mannes nachstellen. Anschließend wieder ein herangezoomter Teil des Bildes nochmals genauer betrachtet. Auch mit dem nächsten Bild, welches uns Herr Riegger zeigt verfahren wir gleich. Dieses Mal ist es ein Gemälde (19. Jahrhundert) von Max Slevogt mit einem gebückten Mann, welcher durch eine Tür in das Haus eines reichen Mannes eintritt.

Nach diesen Eindrücken war es die Aufgabe für uns Studenten ein Bild zu zeichnen, auf dem wir festhalten sollten, wie es aussehen könnte, wenn der Vater und der verlorene Sohn wieder zusammenkommen. Als Hilfe wurde uns eine Kopie zur Verfügung gestellt, welche die Skizze eines stehenden Vaters und eines sitzenden Sohnes zeigt. Mit Wachsmalkreiden brachte jeder für sich seine Vorstellungen zu Papier. Im Anschluss daran zeigte uns Herr Riegger Bilder seiner Schüler (7.Klasse Mittelschule), welche dieselbe Aufgabe hatten wie wir, nämlich das Zusammenkommen des Vaters und des verlorenen Sohnes zu verbildlichen. Den Schüler wird vor Betrachtung der Bilder ihrer Mitschüler der Denkanstoß gegeben: Wenn ich meines zeigen würde, wie möchte ich, dass die Anderen reagieren? Die Bilder sollen nun von uns beschrieben, allerdings nicht gewertet werden. Viele der Schülerbilder zeigen verworrene Wege, einen Fluss oder eine Mauer, welche trennend zwischen dem Vater und dem Sohn steht. Andere haben eine kaputte Brücke über den Fluss gemalt, welche mit danebenliegenden Brettern wieder repariert werden kann. Herr Riegger erklärt uns, dass es ganz normal ist, dass die Schüler bei solchen Aufgaben ihre eigenen Erfahrungen mit einbringen und dass dies auch notwendig und hilfreich für sie sei.

25.06. Bild 11Zur Interpretation des Gleichnisses greift Herr Riegger wieder auf den Anfangsgedanken zurück, bei dem 9 Punkte mit 4 Strichen verbunden werden sollten. Um die Verbindung herzustellen, muss man den Innenraum verlassen und nach außen vordringen. Die 9 Punkte in diesem Gleichnis stellen ein Haus dar. Der ältere Sohn befindet sich fortwährend in diesem Haus. Der jüngere Sohn allerdings verlässt das Haus. Dieses Verlassen ist für den jüngeren Sohn wichtig, um die Freude des Zurückkommens erfahren zu können. Diese Erfahrung wird der ältere Sohn nie machen. Das Gleichnis soll die Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen etwas zu Wagen/ Fehler zu machen und auch wieder zurück zu kommen. Es geht um das Wiederannehmen.

Im Anschluss lasen wir das Gleichnis vom verlorenen Sohn in etwas vereinfachter Form. Dies führt zu besserem Verständnis bei den Schülern als die originale Bibelstelle. Als Tipp gab uns Herr Riegger den Hinweis, das Gleichnis im Unterricht zweigeteilt zu behandeln. Teil eins stellt Lk 15, 11-24 dar und Teil zwei Lk 15, 25-32. So steht das Fest und der Neid des Bruders extra und beide Teile werden gesondert voneinander betrachtet.

Abschließend stellen wir die Reaktion des älteren Bruders dar, welcher sich durch den Vater ungerecht behandelt fühlt. Hierzu sitzt ein Schüler auf einem Stuhl vor der Klasse und bekommt von der Lehrkraft den Text des Vaters vorgelesen. Darauf soll er in eigenen Worten, mit seinen eigenen Gefühlen und mit seiner eigenen Meinung antworten.

Die Botschaft des gesamten Gleichnisses soll eine Aufforderung Jesu sein, sich aus dem gewohnten Umfeld (hier das Haus) heraus zu bewegen und seinen Gedanken und Gefühlen Luft zu machen, diese Kund zu tun und zu zeigen.

Literatur:
Manfred Riegger: Planung und Gestaltung von Religionsunterricht konkret. Elementarisierung umgesetzt anhand der Gleichniserzählung vom barmherzigen Vater und seinen zwei Söhnen für die 3. und 7. Jahrgangsstufe, Donauwörth: Auer 2005

Verfasser: Nora Becker, Sophia Mohr, Larissa Ledermann

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