22.01.2018 – Symbole

Einstieg

Im Reliforum wurde die Thematik der Symbole vertieft: Welche Grenzen und Schwierigkeiten rufen sie hervor und welche Möglichkeiten stehen Schülerinnen und Schülern mit der Symbolik zur Verfügung?

 


„Wenn es 40 verschiedene Rot-Töne gibt, wie kann man
dann den besten herausfiltern?“

22.1.18Das ist die metaphorische Einstiegfrage, die zur Beantwortung jedem selbst überlassen wurde. Nur ist es wichtig, dass man lernt, Symbole schnell zu deuten, um richtig mit ihnen arbeiten zu können. Ein Vorteil dieser Notwendigkeit ist, dass die Lernenden sehr viele Symbole in ihrem Alltagsleben verwenden: Ihre Handys, Beschriftungen auf ihrer Kleidung, Kleidungsstile, Schmuck und etliche weitere alltägliche Gegenstände.

Es ist allerdings zentral, Symbole im Religionsunterricht neu zu entwickeln und drei Ziele zu erreichen:

  1. Neue Zugänge suchen, um symbolfähig zu werden und ein Verständnis für religiöse Symbole zu entwickeln.
  2. Das „Dritte Auge“ (H. Halbfas) zu schärfen, d.h. die Fähigkeit des „inneren Sehens“ zu schulen.
  3. Ein Bewusstsein zu wecken, das die ausschließliche Gültigkeit des rationalen Denkens überwindet.

Um für die Symbolik zu sensibilisieren, wurde die Thematik der Rose in der Geschichte 22.1.18-2„Die Bettlerin und die Rose“ von Rilke vorgetragen. In der Erzählung kniet eine arme Bettlerin jeden Tag am selben Ort, in derselben gebückten Haltung mit ausgestreckten, flehenden Armen auf einem Platz. Ein Pärchen läuft vorbei und die Frau gibt der Bettlerin hin und wieder Geld, ihr Mann dagegen nicht. Eines Tages ging der Mann ebenfalls zu der Bettlerin, allerdings mit einer Rose und legte diese in ihre Hand. Die arme Frau bemerkte die Geste, blickte ihn an, erhob sich mühsam und ging davon. Erst am achten Tag darauf kehrte sie zu ihrem gewohnten Platz zurück.

Was will uns nun die Rose vermitteln? Sie zeigt uns die Bedeutung des Immateriellen, das jedes Lebewesen auf der Welt benötigt wie die Luft zum Atmen, nämlich: Zuneigung und Nächstenliebe. Die Rose hat eine subjektive Bedeutung für die Frau, da sie durch sie Zuneigung und Liebe geschenkt bekommen hat, die ihr Kraft zum Leben gibt und ihr Herz erwärmt. Sie wird sich somit immer wieder gerne an die Rose erinnern und sich durch die prägnante Erfahrung daran erfreuen.

Auch ist die Rose eine nonverbale Kommunikation in der Gesellschaft, da sie eine ehrliche Zuneigung vermittelt.  Das Symbol schafft eine Zeitbrücke für die Bettlerin, wenn sie die getrocknete Rose in ihrem Heim ansieht. Die Ambivalenz ist bei dem Symbol, dass die Frau doch zart und zerbrechlich wie die Blütenblätter wirkt, aber mit aller Kraft, die sie noch besitzt, versucht zu überleben. Das letztere ist mit dem harten Stiel und den Dornen zu vergleichen, in denen die Mehrdeutigkeit am besten dargestellt wird.

Didaktische Merkmale von Hubertus Halbfas zu Symbolen

  1. Symbole verbinden unterschiedliche Aspekte miteinander29.01.2018
    • Gegenstände mit Erfahrung
    • Außenwelt mit Innenwelt
  2. Symbole verbinden und schaffen Kommunikation im privaten und gesellschaftlichen Kontext
  3. Symbole schaffen Zeitbrücken
    • Vergangenheit & Gegenwart
  4. Symbole schaffen Wirklichkeit, die sie bezeichnen
    • Subjektive Bedeutung
  5. Symbole sind mehrdeutig und unerschöpflich
    • geben widersprüchliche Botschaften
    • kann man nicht vollständig interpretieren

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Wie dies in den Religionsunterricht einzugliedern ist, beschrieb Paul Tillich, ein Religionsphilosoph und evangelischer Theologen: „Die Sprache des Glaubens ist die Sprache der Symbole“

 

 

  1. Workshop: Türen

Beim ersten Workshop des Abends, gestaltet von Herrn Dr. Sailer, stand die Türe als Symbol im Mittelpunkt. Zu Beginn sollte jeder für sich selbst nachdenken, wie viele Türen man heute schon selbst geöffnet hat und ob unter diesen vielleicht eine unangenehme oder gar schwere Tür war. Diese Frage ließ Spielraum und so erzählten zwei Frauen der Gruppe, welche Türen für sie an diesem Tag schwere Türen waren. Die erste hatte Probleme, den Kofferraum des Autos zu öffnen. Als dieser sich nicht öffnen ließ, hatte sie Platzprobleme und geriet durch diese Situation in Stress. Aus diesem Grund war dies für sie eine sehr ärgerliche, schwere Tür. Die andere Frau erzählte, dass sie am Morgen auf dem Weg zur Universität mit der Straßenbahn fahren wollte. Doch als sich die Türen der Straßenbahn öffneten, schlossen sie sich auch gleich wieder, da die Straßenbahn viel zu voll war, um weitere Menschen zu befördern. Auch für sie war dies eine sehr ärgerliche und unangenehm massive Tür an diesem Tag.

Türen an sich geben unserem Alltag Struktur und auch eine Funktion. So schafft die Kofferraumtür Stauraum, der im Alltag benötigt wird, und die Straßenbahntür ist eine Tür, die sich öffnet, um uns dort hin zu bringen, wo wir gerne hinmöchten.

Türen öffnen Räume, geben Sicherheit, grenzen ab, verbinden Räume miteinander. Wo eine Tür ist, entsteht etwas.

Herr Dr. Sailer zeigte uns ein Bild mit einer alten Türe aus Holz, die leicht geöffnet war. Dieses Bild legte er mit der Frage: „Was interessiert Sie? Was stört Sie an der Tür?“, in die Mitte des Raumes und ließ der Gruppe Zeit, die Tür auf sich wirken zu lassen. Die Türe erweckte Erwartungen. Sie wirkt, als wäre hinter ihr etwas Schützenswertes, dass verborgen werden soll. Sie wirkt, als wäre sie voll von Geschichten. Zudem drückt sie Wärme aus und wirkt einladend. Aber sie sieht auch sehr massiv aus, sie lässt keine Transparenz zu. Welche Situationen oder auch welche Menschen wir hinter dieser Tür vermuteten, war die Anschlussfrage, die Dr. Sailer der Workshop-Gruppe stellte. Die Tür wirkte auf viele Personen wie eine Tür, hinter der eine eher bäuerliche Familie gerade Abendbrot macht. Aber auch ein privater Raum wurde dahinter vermutet, so etwas wie ein Wohnzimmer oder ein Schlafzimmer. Einer Frau aus der Gruppe erschien die Tür wie ein Eingang zu einem Kloster oder einer Kapelle.

Türen, vor allem ältere Türen, können behaftet sein mit Sprüchen. Den bekanntesten Türsegen kennen die Menschen von den Weisen aus dem Morgenland. Dr. Sailer richtete die Gedanken wieder auf diese eine alte Tür aus Holz und fragte, welche Sätze wir dieser Türe zuordnen würden. Dabei standen folgende Sätze zur Auswahl:

  • Herzlich willkommen!
  • Mit Gott tritt ein, mit Gott tritt aus, Gott segne dich und unser Haus.
  • Hausieren verboten!
  • Achtung bissiger Hund!
  • Gott segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus!
  • Wer anklopft, dem wird aufgetan.
  • Freude öffnet alle Türen
  • Tag der offenen Tür.
  • Bitte läuten und eintreten
  • Eingang zum Paradies
  • Tretet ein, die ihr mühselig und beladen seid
  • Hereinspaziert

Die Antworten gingen alle eher in eine Richtung: Bevorzugt wurden einladende Zuschreibungen, die Wärme und auch Glauben ausstahlen. Allerdings scheint es auch keine Tür zu sein, die den Eingang ins Paradies wiederspiegelt.

Eine Tür wird zu einem besonderen Gegenstand, wenn sie mit uns in eine Beziehung tritt. Es ist nämlich die Tür von jedem selbst, die dazu eine eigene Geschichte trägt. Dass auch unsere eigenen Türen mit Erwartungen, Hoffnungen, aber auch Leid behaftet sind, führte uns Dr. Sailer mit einer Türmeditation vor Augen. Er las die Sätze vor und bat uns, zunächst zuzuhören und diese auf uns wirken zu lassen. Anschließend sollten wir sie nochmal selbst lesen und auf einem extra Blatt in eine Tür unsere eigene Zuschreibung- also den Satz, der einen selbst am meisten angesprochen hat- notieren. Sehr spannend und faszinierend war, dass viele dieser Sätze zu einzelnen Erfahrungen von allen im Raum Anwesenden gepasst haben. Jeder konnte sofort Assoziationen aufrufen, die er mit dem Satz verbindet. Als jeder einen Satz notiert hatte, sollten wir uns mit dem Sitznachbarn austauschen und erklären, warum gerade dieser eine Satz ein besonderer im Leben von uns ist.

22.1.18-7Die Tür kann und ist aber auch ein religiöses Symbol. Vor allem die Adventszeit ist die Hochzeit der Türen. So öffnet sich z.B. die Himmelstür an Weihnachten und Gott wird zum Menschen. Der Zugang zu Gott ist dabei Jesus Christus. In vielen Weihnachtsliedern, aber auch an den unterschiedlichsten Stellen in der Bibel kommen Türen vor. Auch diese führte uns Dr. Sailer vor Augen: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradies!“, „Macht die Tür auf, macht die Herzen weit und verschließt euch nicht…“, „Reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab wo Schloss und Riegel für!“, „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden, er wird Weide finden.“ (Joh, 10).

Wenn eine Tür offensteht, gibt es Perspektiven und Weite, auch das versucht das religiöse Symbol Tür umzusetzen.

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Dr. Sailer nannte uns zum Schluss Möglichkeiten, mit Schülerinnen und Schülern durch einfache Symbole im Alltag einen Bogen zur Religion zu spannen. Diese Anregungen sind natürlich für uns angehende Religionslehrerinnen und -lehrer sehr wichtig. So kann der Adventskalender mit seinen 24 Türchen eine Tür zur Tür Gottes werden, die sich öffnen wird. Aber auch der Türspruch und der Segen der Sternsinger ist so ein greifbares Symbol für Schülerinnen und Schüler.

 

  1. Workshop: „Das Brot“

Diese Thematik ist in 2 Stufen anwendbar, entweder für die Grundschüler einer dritten Klasse, da sie zu diesem Zeitpunkt ihre heilige Kommunion feiern, oder in der 6. Klasse einer weiterführenden Schule zum Zeitpunkt der Firmung.

Um die Schüler mit der Thematik des Brotes vertraut zu machen, wird ein verdeckter Laib in die Mitte eines Sitzkreises gelegt, damit die Kinder ihre Aufmerksamkeit darauf richten. Dazu kommt der Impuls der Lehrkraft, dass darunter etwas Lebenswichtiges liegt. Nun dürfen sie spekulieren, was unter dem Tuch liegen könnte. Dabei darf man das Objekt auch durchgeben, fühlen und riechen lassen. Nun wird es aufgedeckt und jeder darf seine Gedanken zu diesem Laib mitteilen. Was hat es für eine persönliche und gesellschaftliche Bedeutung?

Danach wird eine Stilleübung durchgeführt, die so konzipiert ist, dass die Lernenden die Lebenswichtigkeit und Notwendigkeit von Brot verstehen können. Es wird eine klangvolle und beruhigende Streichmusik abgespielt.

„Du hörst den Klang der Musik und beginnst dich zu entspannen. Du spürst deinen Atem. Er geht ganz gleichmäßig. Du fühlst dich wohl. Strecke deine Hand aus und öffne sie. Wenn du möchtest, schließe nun deine Augen.

Du denkst an das Brot, das hier in unserer Mitte liegt … Ein Stück – bestehend aus vielen Körnern, aus der Saat von einem Feld. Viel Sonne und Wasser, Arbeit und Zeit waren nötig, um die Körner reifen zu lassen, aus denen das Mehl gemahlen und dann ein Stück Brot gemacht wurde.

Du spürst und wiegst das Brot in deiner Hand … Sacht streichelst du mit einem Finger darüber … du riechst daran … Es erinnert dich an schöne Momente, in denen du das Brot gegessen hast – an deine Eltern und Freunde … Du erinnerst dich, wie es dir dabei ging, wie du dich gefühlt hast…

Du bist dankbar für dein Brot. Du dankst für die Kraft, die du aus diesem Stück Brot bekommst. Du spürst ein Hungergefühl. Du weißt, wie wunderbar es ist, das Brot zu schmecken: Seine Saftigkeit, seine Körner, zu schlucken und satt zu sein. Langsam beißen deine Zähne zu … Deine Zunge spürt den Geschmack … du kaust und spürst die Kraft, die dir das Brot gibt“

Danach sollen die Schülerinnen und Schüler in einer Stillarbeit ihre Impressionen malen. Dabei entstehen sehr kreative und zugleich aber auch oft ähnliche Bilder: nämlich von Familien, die zusammen essen oder einen Gemeinschaftsausflug machen.
Um bei einer Grundschulklasse mehrschichtig zu arbeiten, wird empfohlen, zu dem Thema Brot in der Gemeinschaft ein Lied oder auch einen Tanz zu entwickeln. Dies dient dem Zweck, dass sich die Heranwachsenden mithilfe aller Sinne mit dem Thema auseinandersetzen.

Um einer Klasse die Symbolhaftigkeit des Brotes aufzuzeigen, kommt es nun zu einer zweiten Deutung des Objekts. Dabei wird das Bild „Die hungrigen Kinder“ von Käthe Kollowitz gezeigt. Die Lernenden sind nun aufgefordert, das Bild auf sich wirken zu lassen und ihre Gedankengänge aufzuschreiben.  Dabei werden einige Gedanken klar: die einer schrecklichen/unfairen Welt, Trauer und doch Hoffnung durch die Geste des gemeinschaftlichen Bettelns und dass sich die Kinder um mehr, als nur nach Brot sehnen – nämlich nach Liebe und Zuneigung.

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Die Geschichte eines jungen Kindes wird nun in einem Sitzkreis Abschnitt für Abschnitt von den Kindern vorgelesen. Der ‚Bursche’ ist arm, muss Hunger leiden und empfängt keine Liebe aus seinem Elternhaus. Vor Hunger klaut er sich eines Tages ein kleines Brot und wird dafür vom reichen Brotbesitzer geschlagen und zusätzlich von seiner Mutter geschimpft.

Zunächst soll man ruhig bleiben und die Geschichte auf die Kinder wirken lassen, da diese eine enorme emotionale Aufgabe für die Drittklässler darstellt. Dann bekommen die Kinder die Gruppenaufgabe, ein Standbild zu der Thematik „Hunger“ zu erstellen.

Um nun den religiösen Bezug zu Symbolen auszubreiten, wird ein Sitzkreis gebildet um ein blaues Tuch, das den See Genezareth darstellt. Nun wird die Geschichte der „rückkehrenden Apostel und die Speisung der fünftausend Menschen“ (MK 6, 30 – 44) vorgelesen. Dabei werden immer wieder kleine Papiervorlagen auf und neben das Tuch gelegt, welche die Brote und die Fische darstellen sollen. Durch die Veranschaulichung können sich die Lernenden beteiligen und über die Geschichte nachdenken. Nun werden kleine Papierstücke in Form eines Menschen verteilt, auf die die Schülerinnen und Schüler die möglichen Sorgen und Nöte der 5000 Menschen schreiben dürfen. Nachdem man die Geschichte beendet hat, werden die ausgefüllten Papiervorlagen um das Tuch gelegt.

Nun sollen die Kinder überlegen, durch was Jesus die Menschen sättigte. Die genannten Dinge können von Aufmerksamkeit über Liebe und Zuneigung bis hin zur Gemeinschaft von Jesus reichen. Nun ist es wichtig, den Fokus auf die Liebe und die Zuneigung Gottes Sohn zu lenken mit der Fragestellung, ob dies denn für den Menschen heute auch noch essentiell ist. Dies wird zuletzt in einer Partnerarbeit besprochen und die Ergebnisse werden zusammen ausgewertet.

 

  1. Workshop: Was ist mir heilig? – Mein persönliches Heiligtum

Im dritten Workshop unter der Leitung von Herr Prof. Dr. Riegger beschäftigten wir uns mit dem Thema „Was ist mir heilig? – Mein persönliches Heiligtum“. Dieser Workshop ist eine plausibel geplante Unterrichtstunde, die man so auch in einer Mittelschulklasse (Sekundarstufe 1) gestalten könnte und auch für uns als angehende Lehrerinnen und Lehrer eine Leitstunde darstellen kann.

Dabei würden die Schülerinnen und Schüler die Hausaufgabe bekommen, sich zuhause im eigenen Zimmer umzusehen und einen Gegenstand mit in die Schule zu bringen, der ihr/ihm am wichtigsten ist.

Für die Kinder, die den Gegenstand vergessen haben, aber auch für uns als Workshop-Gruppe, verteilt man Zettel. Auf diesen kann man dann einen Gegenstand malen, der einem besonders wichtig ist.

Nachdem wir unsere Gegenstände gemalt hatten, 22.1.18-12sollten wir diese nennen und erklären, warum genau diese die wichtigsten für uns sind. Die Zettel legten wir in die Mitte unseres Sitzkreises. Die Schülerinnen und Schüler sollten mit ihren mitgebrachten Gegenständen genau dasselbe machen. In unserer Gruppe waren Bilder von einem Bilderrahmen, ein Fußball, ein Bett, ein Buch, ein Teddy und einige weitere Bilder dabei.

Im Anschluss sollten wir erstmal für uns selbst und dann auch in der Gruppe die Frage beantworten, ob wir unseren Gegenstand grundsätzlich auch als „heilig“  bezeichnen würden. Eine Frau im Workshop antwortete, dass sie sich den Gegenstand nicht ausgesucht hätte, wenn dieser für sie nicht auch heilig wäre. Eine andere Antwort war, dass der gemalte Gegenstand so wichtig ist, dass dieser auch „heilig“ wäre.

22.1.18-13Auch im religiösen Bereich gibt es einige Gegenstände, die heilig und unantastbar sind, wie zum Beispiel in einer Kirche. Zugleich gibt es aber auch religiöse Gegenstände, die im Alltag verwendet werden und trotzdem für einzelne Personen auch heilig sein können.

Mit den Kindern kann man dann Regeln für den Umgang mit solchen Gegenständen finden. Auch wir sollten darüber nachdenken und anschließend stellten wir unsere eigenen Regeln auf, die wie folgt lauteten:22.1.18-14

  • Nicht anfassen
  • Behutsam damit umgehen
  • Respekt zeigen
  • Nicht darüber lachen
  • Vorher Fragen, wenn man es benutzen möchte

Solche Regeln können dann auch auf den kirchlichen Kontext übertragen werden, zum Beispiel auf Gegenstände, die in der Kirche sind, die wir aber nicht anfassen dürfen oder zu denen wir keinen Zugang haben.

Prof. Dr. Riegger stellte uns dann noch einen alternativen Einstieg für die neunte Klasse vor. Dieser kann zum Beispiel anhand von Bildern gelingen, die mit den Kindern teilweise verbunden sind. Wichtig ist dabei die emotionale Ebene.

Den Kindern sollte insgesamt bewusst werden, dass etwas Unsichtbares hinter dem Sichtbaren steckt. Viele Menschen tragen ein Kreuz um den Hals –  deshalb auch die Frage in die Gruppe, ob jemand ein Kreuz trägt. Zwei konnten mit Ja antworten. Die Bedeutung bei einem der beiden war, dass er dieses von der Mutter geschenkt bekommen habe. Hinter einer sichtbaren Kette kann eine Geschichte stecken mit jeder erdenklichen und unterschiedlichen Bedeutung.

Allgemein ist zu sagen, dass immer da, wo ein Symbol ist, auch eine Bedeutung dahinter steckt. Überdies werden mit solch einem symbolischen Gegenstand Erfahrungen verbunden. Diese Tatsache wird einem paradox vor Augen geführt, wenn man an die Flüchtlinge denkt, die ihr Land verlassen haben – teilweise mit nichts, doch manchmal ist da der ein oder andere Gegenstand mit dabei, der diesem Menschen so wichtig war, dass er nicht ohne ihn gehen wollte.

 

  1. Workshop: Der Gotteskoffer

Im Mittelpunkt dieses Workshops stand es, für Gott Gegenstände zu finden, die für einen selbst symbolische Bedeutung haben. Sich Gott nicht mehr bildhaft, sondern durch Symbole vorzustellen, stellt für Schülerinnen und Schüler oft eine Schwierigkeit dar. Doch es steckt auch eine große persönliche Chance darin- nämlich Gott auf anderer Ebene nahe zu kommen. Die Bibel bietet dabei eine Fülle an sprachlichen Bildern an, mit denen man sich Gott annähern kann. Nun liegt es daran, diese Bilder mit Erkenntnis und Erfahrung zu füllen, damit sich ein Symbol entwickeln kann. Wichtig ist, dass man erst ab einem gewissen Reifegrad ein Bewusstsein für Symbole entwickelt. Jüngeren Schülerinnen und Schülern darf man dabei keinesfalls den bildhaften Gott wegnehmen, sondern man sollte auf dieser Vorstellung aufbauen.

Der Gotteskoffer enthält vielfältiges Material, welches die biblischen Gottesmetaphern erfahrbar machen: Kerze, Burg, Regenschirm, Herz, Steine etc. Es sind bewusst Gegenstände und keine Bilder gewählt worden, um Assoziationen wachzurufen. Teilweise widersprechen sich die Symbole anscheinend oder sind nicht eindeutig zuzuordnen. Der Koffer enthält mindestens ein Symbol des Zweifels oder der Ablehnung der Existenz Gottes. Das spiegelt sich beispielweise im Fragezeichen wider. Die Lehrkraft sollte im Hinblick auf die Klasse wählen, welches und wie viel Material angemessen ist, um Verwirrung zu vermeiden.

Ausgangspunkt der Arbeit mit dem Gotteskoffer ist das Begreifen der doppelten Dimension, die in den Gegenständen steckt. Auf der einen Seite werden sie als reale Gegebenheiten wahrgenommen und auf der anderen Seite mit symbolischer Bedeutung gefüllt. Im Koffer stecken nicht nur symbolische Gottesbilder, sondern es sind auch Gegenstände für personale Gottesmetaphern enthalten.

Folgende Kompetenzen sollen die Schülerinnen und Schüler mit dem Gotteskoffer erlernen:

Die Schülerinnen und Schüler können…

  • den eigenen biographischen Zugang zu Gotteskonzeptionen wahrnehmen und ausdrücken,
  • Beispiele für die Vielfalt biblischer Gotteskonzeptionen benennen,
  • den respektvollen Umgang mit Diversität von Einstellungen und Prägungen einüben,
  • die eigene Haltung formulieren und in der Lerngruppe diskutieren.

Eine Unterrichtseinheit könnte mit dem Koffer folgendermaßen didaktisch umgesetzt werden:

  1. Hinführung & Assoziation: Gemeinsam den Koffer auf einem Tuch auspacken

Die Schülerinnen und Schüler sitzen gemeinsam im Stuhlkreis um ein weißes, rundes Tuch herum. Auf dem Tuch steht ein Koffer. Der Reihe nach dürfen sie einen Gegenstand aus dem Koffer nehmen und erzählen, warum sie diesen Gegenstand gewählt haben und was ihnen dazu einfällt. Anschließend wird der Gegenstand auf dem Tuch platziert.

  1. Gegenstände als Symbole für Gott

Jeder sucht sich einen Gegenstand, der für ihn mit Gott assoziiert ist. Mit dem Nachbarn kommen sie ins Gespräch und erklären, warum ihr Gegenstand für sie Gott symbolisiert. Anschließend erhalten sie Wortkarten mit Bibelstellen. Ein Beispiel für eine solche Karte ist:

„Bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir in das Licht.“ (Ps 6,10)

Die Karten werden den Gegenständen zugeordnet. Anschließend liest sich jeder die Wortkarten durch und darf diese auch einem anderen Gegenstand zuordnen, der ihrer/seiner Meinung nach besser passt. Über die veränderten Karten wird kurz gesprochen.

  1. Persönliche Bedeutung darstellen

Mit Herzen und Steinen werden die Gegenstände 22.1.18-17markiert, die einem „am Herzen liegen“ oder die belastend oder unklar sind. Das Gesamtbild wird angeschaut. Wo liegen wie viele Herzen und Steine? Wo liegt beides? Die Schülerinnen und Schüler dürfen sich gegenseitig befragen, warum sie ihre Herzen und Steine so positioniert haben.

 

Reflexion der Schlussrunde

22.1.18-18Symbole können nicht definiert werden, sondern können für jeden eine individuelle Bedeutung haben. Sie müssen nicht allgemein als Symbole anerkannt sein, sondern sind oft ganz ungewöhnliche Dinge, die zu einem Symbol werden können. Für Leonardo Boff wird ein normaler Zigarettenstummel zu einem Symbol. Denn als sein Vater stirbt, ist er nicht bei ihm und kann auch nicht auf seine Beerdigung kommen.22.1.18-19 Seine Schwester schickt ihm die letzte gerauchte Zigarette seines Vaters. Diesen Stummel hebt er lange Zeit auf, denn er erweckt in ihm Erinnerungen an seinen Vater. Durch diese Erinnerung wird ein einfacher Zigarettenstummel lebendig und zu einem Symbol. Das Bewusstsein, dass Zeichen erst zu Symbolen werden, wenn diese mit Erlebnissen und eigenen Erfahrungen verbunden werden, wird während des gesamten Abends in jedem Workshop geweckt. Jeder hat beispielsweise ein „Tür-Erlebnis“, das in uns Erinnerungen weckt. Jeder verbindet mit unterschiedlichen Türen auch unterschiedliche Emotionen. 22.1.18-20Der Gotteskoffer zeigt uns, dass Gott vieles darstellen kann. Es steht auch dafür. Dass nicht alles für uns klar ist, sondern dass jeder für Gott ein unterschiedliches Symbol hat. Zudem wird uns bewusst, dass Symbole nicht unbedingt dauerhaft sein müssen, sondern sich nur auf einzelne Lebensphasen beziehen können.

Beschreiben Sie, an welchen Punkten der Veranstaltung Anknüpfungspunkte zu theologischen Inhalten lagen, die bereits Thema in Ihrem Studium waren!

  • „Symbolisches Lernen“ stellt einen wichtigen Themenbereich in der Religionspädagogik und -didaktik dar
  • Abgrenzung Zeichen-Symbol
  • Mischformen von Zeichen und Symbolen
  • Symbole als Bedeutungsträger und Handlungsimpulse mit Appellfunktion mit materieller Ebene und Bedeutungsebene
  • „Symboldidaktik“ von Hubertus Halbfas

à Entwicklung eines emotionalen Bezugs, „Drittes Auge“

  • „kritische Symbolkunde“ von Peter Biehl
  • Stufen des Symbolverstehens

Beschreiben Sie, was Sie für Ihren zukünftigen Alltag als Lehrkraft aus der Veranstaltung mitnehmen können!

  • Symbole spiegeln sich in alltäglichen Dingen wider.
  • Jeder Lernende spiegelt mit seinem Schmuck, seiner Kleidung oder seiner Frisur ein Symbol wider.
  • Auch ungewöhnliche Gegenstände können zu Symbolen werden.
  • Wichtig ist, dass Zeichen erst Symbole werden, wenn diese lebendig und mit Erinnerung gefüllt werden.

Beschreiben Sie, welche persönliche Bedeutung das Thema der Veranstaltung für Sie hat!

Es gibt sehr vielfältige Symbole. Zum einen die, die jeder versteht und allgemein gültig sind. Dazu zählen z.B. Eheringe oder Kreuze. Doch auf der anderen Seite dienen sie auch als eine Art Kommunikationsmittel. Durch Schmuck, Kleidung oder Frisur kann die Lebenseinstellung und Persönlichkeit präsentiert werden. Jeder von uns trägt- teilweise unbewusst- Symbole, die auf etwas hinweisen. Zudem können Symbole nur uns gehören, ohne dass eine andere Person dieses versteht. Ein Beispiel ist der obengenannte Zigarettenstummel von Leonardo Boff, der ihn an seinen Vater erinnert. Es ist interessant darüber nachzudenken, welche Dinge im eigenen Leben symbolisch bedeutsam sind. Es gibt vieles, das so alltäglich ist, wie z.B. eine Tür, und doch so viel Bedeutung und Emotionen verbergen kann.

Verfasser: Patricia Handel, Veronika Pichl, Nicole Reimer

 

 

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