04.06.2018 – Frieden in der Welt

Gedanken zum Einstieg

Fünf Bilder zum Thema „Leid“ lagen zu Beginn auf einem blauen Tuch in der Mitte. Dazu wurde auf ein grünes Tuch ein Korpus ohne Arme, welcher gewaltsam durch Feuer zerstört worden war, gelegt. Dieser galt als ein Hoffnungszeichen für die Menschen, gerade weil er seine Arme und Hände verloren hatte. Er zeigte ihnen, dass die sie als Gemeinschaft für ihn, in seinem Namen handeln und Frieden stiften sollen. So stehen die Worte „Ich habe keine anderen Hände als die euren!“ an der Stelle, wo eigentlich seine Arme wären. Gleichzeitig drückt sich hier das Selbstverständnis von Kirche aus. Die christliche Kirche ist eine dienende Kirche. Papst Franziskus sagte am Gründonnerstag 2013: „Die Kirche ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen.“ Damit meinte er nicht nur die geographischen Ränder, sondern auch die menschlichen Grenzen, die Sünde, Ungerechtigkeit und Schmerzen. Dazu wurden Bilder von Papst Franziskus gezeigt, wie er am Gründonnerstag Gefangenen die Füße wäscht. Gründonnerstag, genau-so wie Fronleichnam, bedeutet, Christus geht zu den Menschen. So sol-len auch wir zu den Menschen gehen, das Evangelium verkünden und Frieden stiften.

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1. Workshop : AG Friedenswerkstatt

Die Friedenswerkstatt findet verpflichtend für alle Schülerinnen und Schüler in der 5. Jahrgangsstufe der Franz von Assisi Mittelschule in Augsburg Haunstetten statt. Sie umfasst fünf bis sechs Einzeltermine über das gesamte Schuljahr verteilt, mit einer jeweiligen Dauer von 45 Minuten und einer Gruppengröße von sechs bis neun Schülern.

Die fünf Ziele der Friedenswerkstatt lauten:
1. Jeder Schüler als Friedensstifter
2. Gegenseitiges Kennenlernen
3. Aufbau von Vertrauen
4. Wahrnehmung des Mitmenschen
5. Konfliktfähigkeit

In der ersten Einheit wird zunächst der Begriff Friedenswerkstatt geklärt. Dazu liegen die Begriffe „Friede“ und „Werkstatt“ auf zwei verschiedenen Plakaten aus, sodass die Schülerinnen und Schüler ihre Assoziationen mit diesen Begriffen frei darauf notieren können. Ziel ist die Verdeutlichung, dass der Friede mehr ist als nur eine Verneinung von negativen Dingen, wie z. B. kein Krieg. Friede bedeutet mehr, er muss aktiv im gegenseitigen Miteinander gestaltet werden. Dieses „mehr“ wird mit den Schülerinnen und Schülern in der Friedenswerkstatt erarbeitet. Zur Auflockerung finden in der ersten Einheit auch verschiedene Kennenlern- und Wahrnehmungsspiele statt. So beispielsweise das „Blinde Zeichnen“, bei dem einem Schüler die Augen verbunden werden und ein Mitschüler seine Hand führen muss, um ein Bild zu zeichnen.

Im Fokus der zweiten Einheit stehen das Erkennen der Ursachen von Konflikten und die Vermittlung der gewaltfreien Kommunikation. Dazu liegen vier verschiedene Bilder aus, die folgende Konfliktsituationen dar-stellen: Kritik am anderen, verschiedene Meinungen, Absprachen nicht einhalten und Ärgern/Beleidigen. Diese Situationen werden mit den Schülerinnen und Schülern nachgespielt.

Anschließend wird besprochen, was die Ursachen für solche Situationen sein können und wie diese vermieden werden können. Eine Möglichkeit stellt die gewaltfreie Kommunikation dar. Zunächst wird eine Zeichnung von einem Wolf an die Tafel angebracht, welcher darauf sehr wild und böse dargestellt ist. Die Teilnehmer beschreiben dieses Bild und machen sich anschließend Gedanken dazu, was in diesem Wolf vorgehen könnte (z. B. er ist verärgert, aggressiv etc.). Diese Aussagen werden auf ver-schiedene Wortkarten festgehalten und neben dem Wolf an der Tafel fixiert. Anschließend wird eine zweite Zeichnung an die Tafel ange-bracht, die ebenfalls einen Wolf darstellt. Dieser wirkt aber verängstigt und zurückgezogenen. Mit dieser Zeichnung wird dann wie bei der vor-herigen vorgegangen und es werden ebenfalls Schüleraussagen ge-sammelt (z. B. er ist traurig, er hat Angst).

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Daraufhin werden dann die beiden Wölfe mit Smileys überklebt. Der ver-ängstigte Wolf erhält einen traurigen Smiley, der böse Wolf einen ag-gressiven Smiley. Diese Smileys stehen stellvertretend für uns Men-schen, die auch diese Gefühle erleben können. Es werden dann zu-sammen konkrete Situationen aus dem Schulleben für beide Beispiele gesammelt, die zu diesen Gefühlen führen können.

Den Schülerinnen und Schülern wird dann das Foto einer Giraffe ge-zeigt, welche von ihnen beschrieben werden soll. Der Fokus liegt hierbei auf dem langen Hals, durch den die Giraffe viel Blut pumpen muss, um den Kopf zu versorgen. Sie besitzt also ein besonders großes Herz, um diese Leistung vollbringen zu können. Danach wird ein laminiertes Herz an die Tafel angebracht und auf das Sprichwort „Der hat ein großes Herz“ eingegangen und die Bedeutung geklärt. Anschließend spielt jeder Schüler mit einem Mitschüler ein Rollenspiel, in dem sie versuchen eine enttäuschte oder traurige Person aufzumuntern und so ein großes Herz zeigen.

Die Wichtigkeit dieser „Giraffensprache“, also ein großes Herz zu zeigen, wird in Bezug auf gegenseitige Kommunikation nochmal verdeutlicht und darauf hingewiesen, dass die „Wolfssprache“ möglichst vermieden werden soll. Ziel ist dabei jedoch nicht die Vermeidung von Konflikten, sondern ein ehrlicher und wohlwollender Umgang miteinander.

Abschließend werden dann die fünf Grundregeln der Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern besprochen:
1. Wir hören dem anderen zu
2. Wir helfen mit unseren Händen und tun niemandem weh
3. Wir verwenden eine liebevolle Sprache
4. Wir nehmen die Gefühle anderer wahr und ernst
5. Wir sind für unser eigenes Tun und Reden verantwortlich.

 

2. Workshop: Projekt einer 7. Klasse an der Heinrich-von-Butz Realschule

Das Projekt wurde durch eine ganz gewühnliche Religionsstunde in einer 7. Klasse an der Heinrich-von-Butz Realschule mit 17 Schülern und Schülerinnen zum Thema Frieden ins Leben gerufen. Die zent-rale Frage der Unterrichtsstunde lautete: „Was heißt Frieden in der Welt?“. Dazu befragte die Klasse mehrere Lehrkräfte, Mitschüler und Mitschülerinnen. Die häufigsten Antworten lauteten dabei „für andere da sein“, „helfen“ und „kein Krieg“. Auf einer Skala von eins bis zehn, wobei zehn bedeutet, Frieden ist mir sehr wichtig und eins, Frieden ist mir egal, stimmten die meisten zwischen acht und zehn ab. Zu diesem Thema wurde das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37) behandelt. Die abschließende Frage lautete: „Wer ist mein Nächs-ter?“ und die einheitliche Antwort der Klasse war: „Jeder“. Da kam es zu der Idee, man könnte so etwas doch einmal selbst ausprobieren. Die Klasse startete mit Unterstützung von ihrer Religionslehrerin so-wie fünf Referendarinnen ein Projekt, bei dem ein Schüler so tut, als läge er verletzt auf dem Gersthofener Rathausplatz. Dabei sollte von der restlichen Klasse und den Lehrerinnen beobachtet werden, wie sich die Passanten verhielten und warum. Dies erforderte natürlich einen erheblichen organisatorischen Aufwand. Gemeinsam mit der Klasse mussten die Rollen verteilt, die Stadt informiert, Genehmigun-gen von der Polizei, dem Ordnungsamt und den Erziehungsberech-tigten eingeholt, Fragebögen erstellt und natürlich geprobt werden. Dank der Johanniter wurde der Schüler so echt mit Kunstblut ge-schminkt, dass er tatsächlich verletzt aussah. Neben diesem Schau-spieler wurde die Klasse in drei Gruppen eingeteilt, die folgendes be-obachten sollten:

• Gruppe 1: Passanten, die wirklich halfen
• Gruppe 2: Passanten, die hinsahen aber trotzdem weiterliefen
• Gruppe 3: Passanten, die vorbeigingen ohne hinzuschauen

Die Lehrkräfte sowie die Presse waren stets anwesend und konnten im Notfall eingreifen. Als Ergebnis konnte festgehalten werden, dass ca. 40% der Passanten halfen, davon eindeutig mehr ältere Menschen und auch mehr Männer. Durch die Evaluation der Befragungen wurde fest-gestellt, dass die Religion dabei keine Rolle spielte. Als Gründe zu helfen wurden oft genannt, dass es sich ja um ein Kind handelte, dass man hel-fen muss oder dass man möchte, dass einem selbst oder seinem Kind auch geholfen wird. Begründungen, nicht zu helfen, waren, sie hätten den Jungen nicht gesehen, was sehr unwahrscheinlich erscheint, sie dachten er schläft oder Hilfe wäre ja bereits schon anwesend gewesen. Die Passanten, die einfach vorbeiliefen, ohne überhaupt hinzusehen, schauten meist auf ihr Smartphone, waren mit dem Fahrrad unterwegs oder es handelte sich dabei um Frauen mit Kinderwägen. Die Gedanken der Schüler und Schülerinnen, die direkt im Anschluss in einem Satz festgehalten wurden, waren fast alle schockierend, da sie dachten, es würden mehr Passanten anhalten und helfen und vor allem der Junge am Boden fühlte sich hilflos.
In der folgenden Religionsstunde wird das Thema natürlich nochmals aufgegriffen, reflektiert und wieder zurück auf die Bibelstelle des barm-herzigen Samariters bezogen. Der Transfer zum Frieden in der Welt und wer eigentlich mein Nächster ist, wird dadurch hergestellt. Dieses Projekt hat den Schülern und Schülerinnen vor Augen gehalten, wie wichtig es ist, gerade als Christ zu helfen, wo wir können und so den Frieden zu bewahren. Es war den Aufwand auf jeden Fall wert.

 

3. Workshop: Sozialpraktikum

Im von Herrn Prof. Dr. Riegger gestalteten Workshop ‚Sozialpraktikum‘ setzten wir uns intensiv mit eben diesem auseinander. Das Sozialpraktikum wird seit 1994 an katholischen Schulen praktiziert. Der grundlegen-de Gedanke dabei ist, dass durch die Tätigkeiten der Menschen das Handeln der Hände Jesu in der Welt umgesetzt werden sollen. Zu Beginn des Workshops sahen wir eine Reportage über Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums, die ein Sozialpraktikum absolvierten. Während des Films sollten wir Lehramtsstudentinnen – und Studenten uns Gedanken machen wie ein solches Projekt an der jeweils von uns studierten Schulart umsetzbar wäre.
Die Reportage beruft sich auf den Grundsatz ‚Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir‘. Es wird gezeigt wie für Schülerinnen und Schüler in Baden-Baden für zwei Wochen das Fach ‚Mitmenschlichkeit‘ im Zentrum ihres Alltags steht. Unter dem Motto ‚Compassion‘, was soviel bedeutet wie ‚Mitfühlen‘ oder ‚Mitleiden‘ absolvieren die Lernenden ein zweiwöchiges Praktikum in einem Krankenhaus, einem Altenheim, einem Heim für Behinderte oder ähnlichen Einrichtungen. Im schulischen Unterricht werden alle Eindrücke und Erfahrungen, die die jungen Menschen in dieser Zeit machen aufgefangen und vor allem aufgearbeitet. Die Zeit im Sozialpraktikum soll die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken bewegen und sie aufmerksam auf die eigenen Privilegien machen, die sie oft nicht schätzen können. Die im Praktikum von den Lernenden erfahrenen Schwierigkeiten werden innerhalb des Projekts fächerübergreifend thematisiert. Es soll eine ‚soziale Sensibilität‘ bei den jungen Menschen entstehen. Sie sollen erkennen, dass Menschen auf andere Menschen angewiesen sind. Es soll ihnen klar werden, dass je-der einzelne Mensch etwas bewirken kann, um das Leben anderer zu verbessern. Die Schülerinnen und Schüler sollen erleben, dass jeder Mensch Hilfe braucht und auch Hilfe geben kann. Die für die Schülerin-nen und Schüler damit einhergehende psychische Belastung wird eben-falls im Film thematisiert. Die jungen Erwachsenen machten teils fröhliche und gute, aber auch teils sehr schlimme, schockierende und traurige Erfahrungen innerhalb dieses Praktikums. Gerade die Arbeit in einem Krankenhaus oder einem Altersheim mit Demenzkranken wurde von den Schülerinnen und Schülern als sehr nahe gehend beschrieben. Von allen interviewten Teilnehmern des Sozialpraktikums jedoch wurde be-schrieben, dass das ‚Mensch-Sein für andere‘ eine sehr bereichernde und interessante Tätigkeit ist. Der Film wurde mit der Frage beendet, ob man das Sozialpraktikum und die ‚Mitmenschlichkeit‘ als Fach zu einem Pflichtfach machen könnte. Dieses Vorhaben stellt sich jedoch wohl als nicht umsetzbar dar, da alle Eltern, Lehrer, Institutionen und Schülerin-nen und Schüler damit einverstanden sein müssten. Andere Fächer müssten in dieser Zeit in den Hintergrund treten. Die praktische Umsetzung dessen wird weiterhin ein viel diskutierter Punkt bleiben.

Nach dem Film setzten wir uns mit einem Skript auseinander, das nochmals die im Film umrissenen Aspekte aufgreift und ausführlicher thematisiert. In der Mittelschule wäre ein solches Praktikum eher in der neunten Klasse, im Gymnasium oder der Realschule eher in der 10. Klasse zu realisieren. Auf Seite 325 des Skripts wird nochmals die große Bandbreite von zu beachtenden Aspekten bei einem solchen Projekt angesprochen. Wir diskutierten darüber und kamen zu dem Ergebnis, dass es vor allem wichtig wäre die Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler mit einzubeziehen und zu beachten. Wenn einer der Lernenden beispielsweise große Angst vor einem spezifischen Bereich hätte, sollte dies auf jeden Fall berücksichtigt werden um den jungen Erwachsenen nicht abzuschrecken. Auch ein wichtiger Aspekt um eine solche Abschreckung zu verhindern ist die Balance zwischen Forderung und Überforderung der Lernenden. Natürlich sollen diese innerhalb des Praktikums gefordert werden, eine Überforderung jedoch könnte zur Belastung für die jungen Menschen werden und ebenfalls zur Abschreckung dieser führen. Um die Lernenden vor einer Überforderung zu bewahren, könnten diese im Voraus von Fachpersonal in grundlegenden Dingen instruiert werden, was auch auf Seite 326 des Skripts erwähnt wird. Als Fazit unserer Diskussionsrunde ergab sich, dass wir alle ein solches Praktikum für sehr sinnvoll halten. Durch das Ausführen kleinerer pflegerischer Dienste können vor allem Mittelschüler in einem solchen Projekt aufblühen und ganz neue Seiten der Tätigkeit, aber auch an sich selbst entdecken.

 

Schlussrunde

In der abschließenden Runde wurde nochmals der Fokus auf das am Boden liegende Kreuz gelegt, welches sowohl eine horizontale als auch eine vertikale Perspektive darstellt.

Bezüglich der horizontale Perspektive des Kreuzes hat Papst Franziskus an Gründonnerstag 2013 die Aussage getätigt, dass die Kirche auch an die Ränder und Grenzen der menschlichen Existenz gehen muss, um das Evangelium zu verkünden und dies mit seiner Fußwaschung von Flüchtlingen auf Lampedusa beispielhaft demonstriert hat.

Die vertikale Perspektive des Kreuzes stellt die Verbindung zu Gott und dessen Perspektive dar: „Selig sind die, die Frieden stiften, denn sie wer-den Kinder Gottes sein.“
Dieser Perspektivenwechsel und vor allem der Fokus auf die Ränder unserer Gesellschaft sollte sich jeder Christ zu Herzen nehmen. Die Nächstenliebe besteht darin, den Mitmenschen, den ich vielleicht nicht mag trotzdem von Gott her zu lieben. Denn die Nächstenliebe ist Gottes Liebe und auch selbst an den Rändern und im Leid kann Gott entdeckt werden.

Abschließend wurde folgendes Gebet miteinander gebetet, welches bei-de Perspektiven beinhaltet:

Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt-
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen.
Amen

Verfasser: Theresa Haggenmüller, Alisa Trier, Lara Schmucker

 

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