03.12.2018 – Islam in einer Moschee

Zu Gast in der sunnitischen Moschee in Oberhausen

Bei unserem Besuch in der Moschee in der Eschenhofstraße 56-58 in Augsburg Oberhausen wurden wir herzlich begrüßt und erhielten gleich zu Beginn von sechs Schülerinnen der Heinrich-von-Buz-Realschule einführende Informationen. Die Schülerinnen belegen alle das Wahlfach „Interkulturelles Zusammenleben“, bei dem sie dialogisch über andere Kulturen lernen und diese auch praktisch kennenlernen, z.B. beim Kochen. Abwechselnd berichteten sie uns über die Geschichte und den Bau dieser Moschee. Das erste Kulturzentrum gab es 1974, damals noch in der Donauwörtherstraße und für das heutige Gemeindezentrum wurde 1995 der Grundstein gelegt. Die Gemeinde bietet verschiedenste Aktivitäten an, wie beispielsweise einen Deutschkurs für Frauen, Hausaufgabenbetreuung, Koranschule mit dem Erlernen der arabischen Schrift, traditionelles Fastenbrechen, gemeinsames Beten sowie Moscheeführungen. Die Moschee bietet mit ihren Räumlichkeiten reichlich Platz, da sie drei Wohnungsbereiche, Aufenthaltsräume, eine Kantine, Sanitäranlagen, eine kleine Bibliothek und zwei Gebetsräume beinhaltet.

Im kleineren der beiden Gebetsräume, ein gemütlicher Raum mit rotgemustertem Teppichboden und Kronleuchtern, starteten wir unter Leitung von Mustafa Ergen die Führung. Wie in einer Moschee üblich hatten wir vorher unsere Schuhe ausgezogen.  Dieser Gebetsraum wird vor allem von den Frauen fürs Gebet genutzt, da in der Regel geschlechtergetrennt gebetet wird. Die Frauen können dort über einen Bildschirm den Vorbeter, auch Imam genannt, im Gebetsraum der Männer sehen und den Gottesdienst mitverfolgen.

Daraufhin ging es in den großen bzw. Hauptgebetsraum, der ebenso mit Teppichen, Kronleuchtern und kalligraphischen Elementen an der Wand gestaltet ist. Dieser wird neben den regelmäßigen Gebetszeiten auch für weitere Anlässe wie Trauungen, Trauerfeiern und andere Feierlichkeiten genutzt. Hier schilderte Herr Ergen uns den typischen Ablauf des Freitagsgebets, dem Hauptgebet der Muslime. Die Betenden richten sich immer nach Mekka aus, wo die Kaaba als Zentrum aller Moscheen liegt. Deshalb befindet sich in dieser Richtung und Raumecke die Gebetsnische des Imams.

Zum Freitagsgebet sitzt der Imam in der Predigtkanzel und spricht 20-30 Minuten frei über den Koran und tägliche Geschehnisse. Anschließend folgen der Gebetsruf „Komm zum Gebet“ und vier Beugungen. Danach begibt sich der Vorbeter zur Stufenkanzel und – das ist das Besondere dieser Moschee – fasst hier auf drei Sprachen, nämlich Arabisch, Deutsch und Türkisch, die Predigt zusammen. Wer das Freitagsgebet nicht verpassen möchte, sollte spätestens hier anwesend sein.

(Großer Gebetsraum der Moschee mit Gebetsnische)moschee oberhausen

Daraufhin betritt der Imam eine erhöhte Stufe in der Gebetsnische und richtet sich für das gemeinsame Beten, Singen und Rezitieren ebenfalls nach Mekka aus. Abschließend folgen noch zwei weitere Beugungen.

Da es im Islam ein Götzenverbot gibt, dürfen keine Götter- oder Prophetenbilder verwendet werden. Aus diesem Grund sind die Wände des Gebetsraum mit dem Namen Allah und Suren aus dem Koran versehen.

(Ausschnitt der Kalligraphie an der Wand (Sure aus dem Koran): „Lieber Gott, ich bin da um zu dir zu beten. Bitte nimm mein Gebet an.“)kalligraphie an der wand

Die Weltreligion Islam besteht aus fünf Säulen, die gleichzeitig die Aufgaben eines gläubigen Muslims darstellen. Die erste Säule ist das Glaubensbekenntnis und damit verbunden Gott als allmächtigen Schöpfer und Mohammed als seinen Propheten anzuerkennen. Die zweite Säule repräsentiert das Gebet. Da dieses fünfmal am Tag erfolgen und nicht in der Moschee passieren muss, sind an allen Tagen außer Freitag hier nur wenige Teilnehmer anzutreffen. Das Freitagsgebet jedoch wird von mehreren hundert Gläubigen besucht. Hierzu merkte Herr Ergen schmunzelnd an, dass viele der Betenden eine blaue Arbeitshose tragen, da sie teilweise in der Mittagspause oder direkt vor bzw. nach der Arbeit kommen. Die dritte Säule betrifft das Fasten, wenn Gesundheit und Alter es zulassen. Allerdings sind Schwangere und Frauen während ihrer Regelblutung, sowie Reisende von dieser Aufgabe entbunden. Das Geben von Almosen stellt eine weitere Säule dar. Vom jeweiligen Vermögen sollen 2,5% über Institutionen und Verbände an Bedürftige abgegeben werden. Die fünfte und letzte Säule schreibt vor, einmal im Leben eine Pilgerfahrt nach Mekka zu unternehmen. Dabei muss beachtet werden, dass die Reise nicht mit Fremdkapital finanziert werden darf und eine Rücklage für mindestens drei Monate für seine Familie zurückgelassen werden muss. Herr Ergen berichtete selbst, wie bewegend diese Reise für jeden Muslim ist.

Das Bekenntnis und die innere Einstellung, was Iman genannt wird, ist ein zentraler Aspekt des Islam. Er umfasst den Glauben an Allah als einzigen Gott und allwissenden Schöpfer, den Glauben an die für Gott und die Menschen handelnden Engel, sowie an die heiligen Bücher und Psalmen. Weiterhin zählt dazu der Glaube an die Propheten von Adam als Ersten bis Mohammed als den Letzten und der Glaube an das Schicksal, das von Gott gegeben ist, einerseits unveränderbar, wie unsere Augenfarbe, und andererseits durch unser verantwortetes Handeln gestaltbar. Als letzter Punkt des Imans gilt der Glaube an Wiederauferstehung und das ewige Leben im Himmel oder der Hölle und an das große Gericht.

Nach diesen Informationen führte Herr Ergen uns in den Besprechungsraum, wo wir bei Getränken und Keksen die Gelegenheit hatten, Fragen zu stellen.  Ungewöhnlich für uns war dabei der Aspekt, dass es Männern nicht erlaubt ist Gold, Diamanten und Seide zu tragen, da Gott diese Dinge den Frauen geschenkt hat. Des Weiteren erstaunte uns, dass eine Abtreibung vor der sechsten Schwangerschaftswoche erlaubt ist, da nach muslimischem Glauben erst ab diesem Zeitpunkt die Seele vorhanden ist. Herr Ergen erklärte uns zudem den Aufbau der Ausbildung zum Imam, die beispielsweise die Koranrezitation in elf Melodien, Grammatik und Übersetzungen umfasst. Stolz erwähnte er, dass auch hier im Kulturzentrum ein Teil dieser Ausbildung absolviert werden kann, während eine bestimmte Phase in Istanbul verbracht wird, wo in enger Zusammenarbeit mit dem türkischen Staatsministerium das Zertifikat erworben wird, das es dem Imam erlaubt in jeder Moschee zu predigen. Ein Anliegen war es Herr Ergen außerdem die Beziehung des Islam zu den Heiligen Schriften aufzuzeigen. Zu diesen gehört nämlich nicht nur der Koran, sondern neben anderen ebenfalls die jüdische Tora und die Bibel. Dass es hier zu keinem Widerspruch kommt, liegt daran, dass der Koran aufgrund seiner Aktualität jedoch maßgeblich ist und auf die anderen Schriften aufbaut. So lässt sich auch erklären, warum es eine große gemeinsame Basis des Islam mit dem Christentum gibt und Herr Ergen meint, er könne das Vater unser im Großen und Ganzen gemeinsam mit uns beten.

Der Besuch in der Moschee war für uns sehr aufschlussreich, da wir viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede entdecken konnten und manches Fremde nun durch Hintergrundwissen besser verstehen können. Es war ein durchweg positives Erlebnis, Einblicke in eine Moschee zu erhalten und mit Menschen dieser Religion ins Gespräch zu kommen, wofür wir dankbar sind.

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Augsburger Bildungs- und Kulturverein e.V.
Verband der Islamischen Kulurzentren e.V.

Flora Kraus
Sabine Heim
Angela Rudolph

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