11.12.2017 – Bekenntnisse

Gedanken der Einstiegsrunde

Es gibt unterschiedliche Formen von Bekenntnissen:

  1. Politische Bekenntnisse
  2. Religiöse Bekenntnisse (Liebesbekenntnis)
  3. Bekenntnis zu einer Person (Trainer)
  4. Bekenntnisse zu Idealen
  • dahinterstecken sowohl positive als auch negative Erfahrungen
  • ein Bekenntnis ist eine Zusammenfassung und bringt etwas auf den Punkt: „Geronnene Erfahrung“

Die erste Kabinettssitzung des US-Präsidenten Donald Trump verdeutlicht, dass…

  • … es einen Machterhalt von Personen gibt.
  • … Personen keiner „höheren Sache“ dienen, sondern lieber dem Präsidenten D.      Trump.
  • … es eine „Ehre“ ist ihm zu dienen.

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Bolz / Geschwister Scholl / Hans Adlhoch als wichtige Vertreter von Bekenntnissen:

  • vertreten persönliche Überzeugung gegen eine Mehrheit
  • leisten Widerstand
  • kämpfen für eine höhere (gerechte) Sache: Freiheit, christliche Überzeugung, …
  • schwimmen gegen den Strom
  • verstecken sich nicht, sondern widersprechen und stehen für die Konsequenzen ein

Luther:

  • Widerstand und Widerspruch gegen die päpstliche Autorität
  • innere Überzeugung
  • Instanz: Wort Gottes, das eine höhere Autorität besaß als der Papst in Rom

Credo heute:

  • lange Entstehungszeit (im 8. Jh. fixiert)
  • Abgrenzung gegen Irrlehren – Zugehörigkeit zu einer Gruppe
  • Bekenntnis, d.h. ein Symbolum
  • Dreiteilung: Gott Vater / Sohn / Heiliger Geist

 

Folgende Workshops erscheinen mir hilfreich für meine zukünftige Tätigkeit als Lehrkraft

Workshop 1 – Bezeichnungen sind Bekenntnisse (Manfred Riegger)

Jesus wurden Hoheitstitel gegeben. Anhand der Materialien M1-M3 können die Schüler und Schülerinnen an die Hoheitstitel Jesus herangeführt werden. Zunächst sind die Wörter verdeckt (siehe M2). Diese werden der Reihe nach aufgedeckt, jedoch ist das Ziel hierbei nach jedem aufgedeckten Wort eine Assoziation bei den Jugendlichen zu wecken. Wie in M1 zu sehen ist, werden zunächst populäre Menschen, wie der Fußballer Thomas Müller assoziiert. Nach dieser Einführung ist die Aufgabe der Schüler und Schülerinnen, wie in M3 zu sehen ist, die persönliche Beziehung zu Jesus von Nazaret anhand der Dicke der Striche anzugeben. (Dies ist natürlich, je nach persönlicher Erfahrung und Einschätzung individuell verschieden).

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Anschließend wird den Jugendlichen eine Todesanzeige von Jesus von Nazaret vorgelegt. Aufgabe der Schülerinnen und Schüler ist es dabei, Besonderheiten zu erkennen, diese im gemeinsamen Austausch zu hinterfragen und einen genaueren Blick auf die Bezeichnungen für die Person Jesu zu richten. Anhand von Lexikoneinträgen lernen sie dann noch weitere Hoheitstitel Jesu und deren Bedeutung kennen. So wird den Jugendlichen vermittelt, dass selbst kurze Bezeichnungen schon ein Bekenntnis ausdrücken können.

Literatur:

Manfred Riegger: Lernaufgabe Jesus Christus? Beispielhaft verdeutlicht an den Hoheitstiteln Jesu, in: Kontakt (Informationen zum Religionsunterricht im Bistum Augsburg), 8/2015, 39-46

 

Workshop 2 – „Das Credo als persönliches Bekenntnis“ (Josef Erhart)

Das Credo erscheint vielen Schülern beim ersten Betrachten zunächst als sperrig und als etwas „dass man halt auswendig lernen muss“. Gerade dieser erste Blick kann Schüler abschrecken, das darf bei einem so wichtigen Text eigentlich nicht sein. Um das Credo zu einem eigenen Bekenntnis, hinter dem man auch steht, zu machen ist ein Vorschlag zur Stundengestaltung zunächst einmal, jedem Schüler das Credo in einzelnen Sätzen als Schnipsel vorzulegen. Die Schüler sollen die Schnipsel in der richtigen Reihenfolge ordnen. Damit kann man den Inhalt wieder in das Gedächtnis bringen. In einem nächsten Schritt dürfen die Schüler dann reflektieren und nach links schieben, bei welchen Aussagen sie zustimmen, in der Mitte liegen die Sätze die mit Zweifeln und Fragen belegt sind und rechts dann die Aussagen, denen der Schüler nicht zustimmen kann. So erlangen Schüler eine eigene Meinung. Im Folgenden liest der Lehrer das Credo langsam vor, die Schüler stehen bei Zustimmung auf, melden sich bei Zweifeln und Fragen und bleiben sitzen bei Nichtübereinstimmung. Diese Tendenzen sollen dann im Plenum diskutiert werden. Zuletzt dürfen sich die Schüler einen Satz aussuchen, den sie besonders wichtig finden und diesem ein Bild zuordnen aus einer Auswahl, die der Lehrer den Schülern zur Hand gibt. Diese Auswahl soll dann auf einem Papierstreifen begründet werden. Diese Zusammenstellung wird dann auf einem Plakat festgehalten.

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Workshop 3 – „Geboren von der Jungfrau Maria“ (Joachim Sailer)

Kern des Workshops war der Satz „Geboren von der Jungfrau Maria“ und seiner Bedeutung im apostolischen Glaubensbekenntnis. Beim Credo handelt es sich um ein Bekenntnis, dies wird durch den ersten Satz „Ich glaube…“ deutlich. In der Schule nimmt das Credo einen hohen Stellenwert ein, es findet sich in jeder Jahrgansstufe im Lehrplan. Um sich dem apostolischen Glaubensbekenntnis zunächst anzunähern, ist es möglich, den Schülern ein Bild des Credos zum Nachfahren zur Hand zu geben, bei dem sie automatisch die Kreuzbewegung vollziehen. Der Weg führt von oben nach unten und auch von links nach rechts, durch diese vertikale und horizontale Bewegung erhält man ein Kreuz. Durch dieses Bekenntnis zum Kreuz öffnet man sich dem Glauben.

Während der Beschäftigung mit dem Credo kann man sich auch einzelne Sätze herausgreifen wie hier „Geboren von der Jungfrau Maria“. In diesem Satz sind dann zwei wesentliche Elemente, die Geburt und die Jungfrau, die man religiös beleuchten muss. Die Geburt steht dabei für einen Neubeginn und Hoffnung, die uns Jesus schenkt. Die Jungfrau ermöglicht Zugang zu symbolischer Sprache, da es sich nicht um biologische Tatsachen handelt, sondern um einen Zugang zu Gott, der ohne menschliches Zutun möglich ist, wenn der Mensch dem Gott Raum gibt und sich ihm ganz öffnet. Dieses Öffnen kann auch in der Schule durch verschiedene Bilder deutlich werden, oder durch das Zitat von Hilde Domin:

„Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise, wie einem Vogel, die Hand hinhalten“

Eine weitere Zugangsmöglichkeit wäre, den Schülern abstrakte Bilder zu geben, diese lassen großen Deutungsspielraum in dem die Schüler den Satz wiederfinden und ihm Farbe geben.

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Workshop 4 – „Credo – Eine Thematik für das ganze Schuljahr“ (Monika Graf-Zanker)

Kern der anfänglichen Überlegungen im Plenum war, wieso es wichtig ist, Kinder bereits im Grundschulalter mit einem ihnen so fremden, alt überlieferten Text zu konfrontieren. Gründe, die für eine Thematisierung des Credos sprechen, sind darin zu sehen, dass Kinder so ein konkretes Ausdrucksmittel für ihren Glauben besitzen und aktiv am Gottesdienst der Gemeinde teilnehmen können. Aufgabe des schulischen Religionsunterrichtes in der Auseinandersetzung mit dem Credo sei zudem, die Fundierung eines Glaubenswissens und mit Bezug darauf die selbstreflexive Ausbildung eigener Glaubensüberzeugungen, so Hans Mendl. Gleichermaßen bietet sich das Credo als ein schuljahresbegleitendes Element an, da Geschichten von Vater, Sohn und Heiliger Geist die grundlegenden Inhalte des Religionsunterrichtes bestimmen. In der Unterrichtsstunde findet diese dreigliedrige Struktur ihren Ausdruck im Lapbook. Folgende Lernstruktur wurde für die Einheit entwickelt:

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Zunächst werden die Schülerinnen und Schüler anhand der Credo-Lernscheibe mit dem Text konfrontiert und versuchen in der kreativen Auseinandersetzung erste individuelle Deutungen. Dazu malen sie Symbole zu den einzelnen Sätzen.

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In einem zweiten Schritt findet das Ringen um die Wirklichkeit Gottes, sowohl in Bildern und Begriffen als auch in einem Bekenntnis, dass sich das Kind aus den selbstgefunden Eigenschaften Gottes ableitet, seinen Niederschlag. Diesen findet man auf der ersten Innenseite des Lapbooks.

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Der zweite Innenteil des Lapbooks widmet sich der Person Jesu Christi. Im Laufe des Schuljahres begegnen den Schülerinnen und Schülern zahlreiche Jesus-Geschichten. Zu jeder Geschichte formulieren die Kinder ein Bekenntnis zu seiner Person und notieren dieses auf einem „Sonnenstrahl“.

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Der Wirkung des Heiligen Geistes nachspüren, so könnte man den dritten Teil des Credo-Lapbooks umschreiben. Die Kinder hinterfragen das Auftreten des hl. Geistes in den einzelnen Bibelgeschichten und Gebeten, die sie im Schuljahr kennenlernen. Auch hier sollen sie nun wieder persönliche Überzeugungen notieren.

Zum Abschluss der Einheit wird ein Lied gesungen, das mittels seiner drei Strophen über Vater, Sohn und Heiligen Geist nochmals den Bezug zur Trinität herstellt und verinnerlicht.

 

Folgende Gedanken der Schlussrunde haben mich zum Nachdenken angeregt:

Bekenntnisse sind etwas sehr Persönliches, sie sind jedoch nur möglich und bedeutsam, wenn man in Bezug auf einzelne Aspekte Zweifel anbringen kann. Deshalb ist es auch im Glauben sinnvoll, sich zu überlegen, welche Aussagen man wirklich vertreten kann und auch möchte. So auch beim Credo. Oftmals ist es schwer, zu seiner Überzeugung zu stehen. Dies ist an eindrucksvollen Beispielen verdeutlicht worden, da Mitglieder der Weißen Rose zum Beispiel, ihre Überzeugungen vertreten haben, und das obwohl sie damit gegen eine ganze Nation standen. Nicht nur im Glauben, sondern auch in anderen Lebensbereichen wie Familie oder Gesundheit bekennt man sich. Das ist oftmals keine bewusste Entscheidung. Dennoch sollte man auch über diese Art von Bekenntnissen reflektieren.

Beschreiben Sie, an welchen Punkten der Veranstaltung Anknüpfungspunkte zu theologischen Inhalten lagen, die bereits Thema in Ihrem Studium waren!

  • Das Credo wird in anderen Veranstaltungen auf sehr theoretischer Ebene besprochen, hier konnte man nun mitverfolgen, wie man dieses doch für Schüler unzugängliche Thema so aufbereiten kann, dass es bei Kindern und Jugendlichen einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
  • Das Credo wurde vor allem in der Dogmatik thematisiert, jedoch eher auf einer sachlichen Ebene, also mit Blick auf die Entwicklung und die Bedeutung für den Glauben.
  • Auch in der Kirchengeschichte wurde das Credo thematisiert, besonders die Bedeutung der Mariengeburt.
  • Die Trinitätslehre, die auch im Credo ausgedrückt wird, und die damit häufig verbundene Problematik wurden bereits häufiger im Studium thematisiert. Für Kinder ist diese schwierige Dynamik aufgebrochen worden, in dem man ihnen erklärt, dass die Trinität in der unendlichen Liebe eins werden kann.
  • Auch Bekenntnisse bezüglich der drei göttlichen Personen sind uns aus bibeltheologischen, fundamentaltheologischen und dogmatischen Vorlesungen bekannt.

Beschreiben Sie, was für Sie für Ihren Alltag als Lehrkraft aus der Veranstaltung mitnehmen können!

  • Bildliche Darstellungen können Schülerinnen und Schülern helfen, das Credo zu verstehen und nachzuvollziehen.
  • Das Credo in einzelne Sätze zu zerlegen, und diese Sätze dann auf eigene Überzeugungen hin zu überprüfen erscheint als sinnvolle Möglichkeit, den Schülern nahe zu bringen, dass das Credo auch für sie als Einzelperson eine Rolle im Leben spielen kann.
  • Die Idee, den Satz „Geboren von der Jungfrau Maria“ anhand von abstrakten Bildern zu veranschaulichen, erscheint als eine gute Möglichkeit, Schülern ihren eigenen Deutungsspielraum zu lassen.
  • Zitate, wie „Geboren von der Jungfrau Maria“ und die aufgeführten Bilder können gut in verschiedenen Kontexten eingesetzt werden.
  • Das Credo nicht nur als Ganzes zu betrachten, sondern sich auf einzelne Sätze zu spezialisieren, eröffnet den Schülern ein neues Verständnis.
  • Credo-Lernscheibe als didaktisch wertvolles Material, da die Kinder spielerisch lernen und sich durch das Malen eigener Symbole den Text besser einprägen.
  • Anfertigung eines Lapbooks als motivierendes Gestaltungsmittel, in dem die Kinder wichtige Lernergebnisse dokumentieren. Dies verbindet kognitive mit kreativen Ansprüchen.
  • Kinder und Jugendliche sollten als „Konstrukteure“ in ihrer Sinn- und Glaubenswelt ernstgenommen werden. Deshalb sollten sie auch immer eigene Bekenntnisse formulieren dürfen.

Beschreiben Sie welche persönliche Bedeutung das Thema der Veranstaltung für Sie hat!

Kern der Veranstaltung war, dass sich Bekenntnisse nicht nur in religiösen Kontexten finden lassen, sondern auch in Alltäglichen. Zudem sind Bekenntnisse immer etwas, hinter dem man mit vollster Überzeugung stehen muss. Natürlich kann das sehr unangenehm sein, wenn man mit seiner Überzeugung alleine steht und diese dann auch gegen Widerstand beibehalten und überzeugt nach außen tragen soll. Nicht selten lassen wir uns von Anderen beeinflussen, nur um mit der Meinung einer Mehrheit konform zu gehen und nicht aus dem „Raster zu fallen“. Deshalb ist es wichtig, den Mut aufzubringen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese, wenn nötig, zu verteidigen. Auch im Glauben sollte man sich die Zeit nehmen, sich zu überlegen, hinter welchen Aussagen man mit voller Überzeugung steht, um diese dann mit Nachdruck vertreten zu können. Durch die Auseinandersetzung mit dem Credo wird auch deutlich, dass man sich in der Kirche klar machen sollte, mit welchen Aussagen und Gebeten man wirklich übereinstimmt. Auch ein lebenslanger Zweifel bezüglich mancher Bekenntnisse ist denkbar, wichtig ist nur, dass man diese Unsicherheiten immer wieder kritisch hinterfragt und sich zu einem neuen Nachdenken ermutigt. So können auch „alte“ Bekenntnisse in einem neuen Licht erscheinen.

Verfasser: Julia Knafelz, Sophia Schmidt, Julia Merkle, Kathrin Rudhart   

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