10.07.2017 – Luther erleben

Wir wurden am Montag, den 10.07. um 18 Uhr im Kreuzgang der Kirche St. Anna in Augsburg willkommen geheißen. Die Referentinnen hießen Frau Pätzel, Frau Höffgen und Frau Stoll. Nach einer kurzen Begrüßung passierten wir den Kreuzgang und wurden in den Ostchor der Kirche St. Anna geleitet. Dort nahmen wir in den Bänken Platz und schon gleich wurde uns das Programm der Erlebnispädagogik in der Kirche für die dritte und vierte Jahrgangsstufe vorgestellt.

Reliforum 1

Das Programm ist eine Anbindung an das Evangelische Bildungswerk und möchte eine Verknüpfung von Lehrplan und Kirchenraum für den Unterricht ermöglichen. Dieses  gibt es seit 18 Jahren und es besteht mittlerweile aus neun verschiedenen Themengebieten, die sich über verschiedene Kirchen in Augsburg verteilen; von Mathematik über Musik, HSU, Religionslehre, Kunsterziehung und Deutsch – um nur eine kleine Auswahl des bunten Programms zu nennen. Die hohe Popularität wird unterstrichen durch die frühe Anmeldefrist (zum Teil Wartezeiten von einem Jahr) und die große Anzahl von Teilnehmenden – bis zu mehreren tausend SchülerInnen pro Jahr. Die KirchenpädagogInnen bleiben ihrem Motto „Kirche erleben“ die gesamte Führung durch treu und so haben die Kinder die Möglichkeit, Martin Luther in einer eineinhalbstündigen Führung näher kennen zu lernen. Dabei wird vor allem auf sein Leben und sein Wirken in Augsburg und für die gesamte Reformation Bezug genommen.

Startschuss für die Führung war das gemeinsame Ausprobieren des Gebetsrituals der Mönche, indem wir im Chorgestühl Platz nehmen und auch die stehende Position einnehmen durften. Die Hinführung zum Thema Martin Luther gelang durch das Bild „Jesus in der Vorhölle“. Gemeinsam sprachen wir über die Darstellung, die die Menschen in Ängsten zeigt und somit kamen wir auf das Thema Beichte und Ablass zu sprechen. Kurz nach dem Einstieg wurden wir in drei Gruppen eingeteilt und die Führung konnte beginnen. An dieser Stelle wird festgehalten, dass sich die Führungen inhaltlich nicht unterscheiden, jedoch die Reihenfolge variiert wird.

Die erste Station in den Kleingruppen war das Lösen eines Sprachpuzzles, bei dem deutsche Begriffe den jeweils lateinischen bzw. griechischen Übersetzungen zugeordnet wurden, um den SchülerInnen die Übersetzung der Bibel ins Deutsche und dem Zugänglichmachen der Bibel für das Volk näher zu bringen.

Reliforum 3

Zum Abschluss dieser Station durften die SchülerInnen ihr Lieblingswort auswählen und vor der Gruppe präsentieren. Die zweite Station war in der Lutherstiege, in einer ehemaligen Mönchszelle. Dort fanden wir ein großes Kalenderbild vor, welches von der Familie Rehling in Auftrag gegeben wurde (das Original befindet sich im Maximiliansmuseum, Künstler unbekannt). Das Bild zeigt eine winterliche Kulisse (Kalendermonate Oktober bis Dezember), in der allerhand Menschen jeglichen Standes zu finden sind. Die SchülerInnen sollen anhand des Bildes Beruf und Stand einzelner Personen herausfinden. Dabei können sie auf Gegenstände wie Kleidung oder Ausstattung der Wohnung Bezug nehmen. Erstaunlich ist, dass die dort abgebildeten Märkte (Kitzenmarkt, Obstmarkt, Milchberg, Stadtmetzg, uvm.) noch heute als Straßen und Plätze in Augsburg zu finden sind. Als Besonderheit wurden drei Türen in den Kalender eingearbeitet (Lederschuhe, Ölkännchen und ein Rechnungsbuch mit den wöchentlichen Ein- und Ausgaben der Mönche). Die vorletzte Station war der so genannte Blick in die Kirche. Die Gruppe saß gegenüber der Kanzel in den Bänken und durfte die besonderen Merkmale einer Kirche nennen. Zum einen kamen wir auf die Orgel zu sprechen, zum anderen auf den modernen, aus Wachs gegossenen, kreuzförmigen, roten Altar in der Mitte der Kirche. Dieser steht stellvertretend für alle Kreuze, die in der Kirche fehlen. Ein weiterer Blickfang ist die Kanzel mit einem Schalldeckel, welche auch heute noch in der Messe genutzt wird. Darüber hinaus besitzt die Kirche St. Anna ein portables Taufbecken, welches nur im Falle einer Taufe in den Kirchenraum gestellt wird. Nirgendwo in Augsburg ist die Teilung des Christentums in katholisch und evangelisch besser sichtbar als in St. Anna: im evangelischen Kirchenraum befindet sich eine katholische Kapelle, die Fuggerkapelle.

Als Highlight wurden wir in die Goldschmiedekapelle geführt, um dort ein Theaterstück für die gesamte Gruppe einzuüben. Dabei übte jede Teilgruppe einen von drei Lebensabschnitten Luthers ein, der dann in der Abschlussrunde vor einer malerischen Kulisse aufgeführt wurde. Der erste Teil der Geschichte erzählte von Luthers Kindheit über sein Studium bis zum Eintritt ins Kloster. Der zweite Teil berichtete von Luther und seine Thesen, dem Gespräch mit Petzel und dem Kardinal Cajetan und seiner anschließenden Flucht aus Augsburg. Der dritte Teil stellte das Leben und Wirken Luthers durch die Übersetzung der Bibel und seinem Leben in Wittenberg bis zu seinem Tod in Eisleben dar.

Reliforum 4.png

Diese Methode der Kirchenraumpädagogik kam bei allen Teilnehmenden sehr gut an, da sie ihnen ermöglicht, die doch so schwierige Thematik Martin Luther auf erlebnisreiche Weise näher zu bringen. Die Führung wirkt nach ihrer zweijährigen Ausarbeitung sehr professionell und die Pädagoginnen überlassen nichts dem Zufall. Diese Methode bietet selbst kirchenfernen SchülerInnen die Möglichkeit, sich im Kirchenraum zu orientieren und wohl zu fühlen. Auch wenn die spezielle Führung ursprünglich für SchülerInnen im Grundschulalter gedacht war, so hatten auch wir als Erwachsene unsere Freude an der erlebnispädagogischen Umsetzung.

Verfasser: Anna Eberle, Dorothee Henzler, Maximilian Weber

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