23.11.2015 – Grundbegriffe

Liebe, Gesundheit, Glück und Sinn – vier Begriffe, die für viele Menschen zentral sind. Doch wie lassen sich Begriffe für das Leben mit den im Religionsunterricht zu thematisierenden Begriffen des Glaubens in Verbindung bringen?

Reliforum 1

Diese Frage steht am Beginn des ReliForums Augsburg vom 23. November 2015 in der Franz-von-Assisi-Schule. „Die Schülerinnen und Schüler kennen die Grundbegriffe des Glaubens, sie wissen, was unter Erlösung, Nachfolge und Sünde zu verstehen ist“, erläutert Dr. Joachim Sailer aus langjähriger Erfahrung als Religionslehrer. Und doch werden Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Erwachsene durch die Herausforderung, Begriffe der Glaubens- und der Lebensebene im Alltag in Beziehung zu bringen, vor gravierende Probleme gestellt.

„Bleiben Theologen begrifflich in ihrem ‚Theotop‘, wie Georg Langenhorst es nennt, gebrauchen sie die für den Glauben relevanten Begriffe zwar im Raum Kirche, die Vermittlung nach außen – in Schule und Gemeinde – misslingt aber oft“, so Sailer. Wie kann man aber dennoch im Religionsunterricht Schülerinnen und Schüler verständlich machen, dass man das Leben auch im Licht des Glaubens betrachten kann, sich so andere Perspektiven eröffnen? Dies wird von den ca. 50 Studierenden, Referendaren und Lehrern in vier Workshops zu bedeutsamen Glaubensbegriffen behandelt. Dabei wird deren Thematisierung im Religionsunterricht unterschiedlicher Schularten schlaglichtartig dargestellt.

Der Botschaft des Kreuzes begegnen
Was möchte mir das Kreuz mit Jesus sagen, welche Botschaft näher bringen? In einem Stuhlkreis reicht Monika Zanker das Kruzifix herum, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, dem Kreuz zu begegnen, sich mit ihren Gedanken und Gefühlen auseinander zu setzen, sich zu sammeln und das Wahrgenommene zu verarbeiten. Dies geschieht in absoluter Stille. Da das Kreuz ein zentrales Symbol im Christentum ist, muss geklärt werden, was eine Kreuzigung zur damaligen Zeit für eine Bedeutung hatte und wie diese abgelaufen ist. Aufgrund dieser Umstände sei es daher auch nicht verwunderlich, dass es „knapp 3 Jahrhunderte dauerte, bis das Kreuz als Erkennungszeichen für das Christentum verwendet wurde“, so Zanker. Im Workshop werden Erfahrungen bezüglich des Kreuzes, aber auch neue Eindrücke ausgetauscht. Gefällt einem das Kreuz eher mit oder ohne Korpus? Gedanken wie „Jesus weiß, wie es ist, wenn…“ werden auf Kärtchen notiert und von anderen Teilnehmern der Veranstaltung anonymisiert vorgelesen. Nach Betrachtung einer Fotografie des sich vom Kreuz lösenden Jesu von B. Würfl gilt es, sich hineinzuversetzen, Gedanken des Auferstehenden in einer Sprechblase niederzuschreiben und diese mit der Gruppe zu teilen. Als Frau Zanker das Lied „Herr, ich möcht` dein Leiden fassen“ anstimmt, findet der Workshop einen harmonischen Abschluss.

Reliforum 4

Warum starb Jesus Christus auf so grausame Weise für uns?
Der stellvertretende Schulleiter – das sagt den Schülerinnen und Schülern einer 9. Klasse im Gymnasium etwas. Was macht ihn aus? Der Schulleiter vertraut ihm, er glaubt an seine Fähigkeiten. „Stellvertretung ist ein Grundgesetz menschlichen Daseins, es kann in den Alltag ‚hineinbuchstabiert‘ werden und spielt im christlichen Glauben in Bezug auf den Opfertod Jesu Christi eine zentrale Rolle“, erläutert Herr Sailer den Grundgedanken des Stellvertretungs-Workshops. Ein von ihm vorgeschlagener, historischer Zugang kann die Annäherung an das christliche Verständnis von Stellvertretung eröffnen – beispielsweise, indem die Geschichte von Pater Maximilian Kolbe gelesen wird. Die Geschichte lässt bei den Workshop-Teilnehmer die verschiedensten Fragen aufkommen: Was war seine Motivation? War sein Verhalten seine explizite Form der Christus-Nachfolge? War es sein Vertrauen auf Gott und sein Hoffen auf die Auferstehung, das ihn für einen anderen Menschen einstehen ließ? Sollen nun Gründe für den Tod Jesu und sein Stellvertreterhandeln benannt werden, ist die Palette an Antwortmöglichkeiten breit: Er hat es gemacht, weil „er vertraut hat“, so einer der am Workshop teilnehmenden Studenten.

Ave Maria GRATIA plena
„MERCI, dass es dich gibt!“ Woher kennt man diesen Satz? Aus der Werbung für eine Praline. Danke – französisch: „merci“, italienisch: „grazie“, spanisch: „gracias“. Doch wofür bedanken sich die Menschen in der Reklame, fragt Matthias Werner in die Runde der Teilnehmer. Sie danken für unerwartete Freuden, spontane Hilfsbereitschaft, alltägliche Kleinigkeiten. Die Teilnehmer geben viele Antworten. Es sind alles Dinge, die nicht käuflich, die gratis sind, „unbezahlbare Geschenke des Lebens“, so Werner, die freiwillig, aktiv, unverdient, unerwartet und vorbehaltlos mir persönlich zuteilwerden. Durch die Worte „Ave Maria gratia plena – Gegrüßet seist du Maria voll der Gnade“ schließt sich sodann der Kreis und eine Suchbewegung ist in Gang gesetzt. Was heißt „voll der Gnade“? Wer ist Maria? Und wer eigentlich dieser Jesus?

Reliforum 5

Cristiano Ronaldo im Religionsunterricht
Wen meint Prof. Dr. Manfred Riegger im Religionsunterricht, wenn er von einem „Freund“ und „Messias“ spricht? Wer denkt, die Antwort sei einfach, der wird mit dem nächsten Tipp verwirrt: Die Rede ist ebenso von einem „Zauberer“ und „Frauenhelden“. Jetzt wird Herrn Riegger die Aufmerksamkeit der Schüler gewiss sein – die von den Teilnehmern seines Workshops zu Jesus Christus hat er auf jeden Fall. Das Ziel ist es, den Schülern die Hoheitstitel Jesu näher zu bringen. Das gelingt am besten, wenn die Schüler mit Titeln allgemein überhaupt etwas anfangen können – und das kann im Prinzip jeder, denn jeder benutzt im Alltag Spitznamen für andere. Doch was ist ein „Freund“ für die Schüler? Wann sprechen sie von einem „Frauenhelden“ und was muss ein „Zauberer“ können, damit er als solcher anerkannt wird? „Durch die Diskussion dieser Begriffe werden Beziehungskonstellationen verdeutlicht. Wenn sich die Schüler jetzt mit den Hoheitstiteln Jesu beschäftigen, sind sie ihnen viel näher, als wenn sie bloß davon erzählt bekommen oder gelesen hätten. Denn schließlich benutzt jeder von uns Spitznamen für andere“, erklärt Herr Riegger. Doch wer war nun der „Freund“ und „Frauenheld“ des Einstiegs? Nach dem letzten Tipp „Weltfußballer 2014“ wird klar: ein Einziger war mit all‘ diesen Bezeichnungen gemeint, nämlich Cristiano Ronaldo.

Bei der Schlussrunde führt Herr Riegger allen Anwesenden vor Augen, wie wichtig es ist, die Verbindung von Glauben und Leben zusammenzubringen. Bereits Kant erkannte: „Gedanken ohne Inhalte sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ Um diese Verbindungen lebendig werden zu lassen, braucht es Mut und auch Glück. „Das wünsche ich Ihnen.“ Mit diesen Worten beendet Herr Riegger die Veranstaltung.

Verena Scheucher, Selina Röck, Jacqueline Czerny, Bernadette Kreitmayr

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