05.05.2014 – Schöpfung

Schöpfung ist mehr als nur Bibeltexte – von Pop-Kultur über Comics & Musikvideos bis hin zu Aliens

SCHÖPFUNG

„Schließen Sie die Augen und lassen Sie die Musik auf sich wirken.“ Genau das Richtige nach einem stressigen Schul- bzw. Unialltag für über 40 Studierende, Referendare und Lehrer: alle Sorgen hinter sich lassen, abschalten und sich einfach auf die Musik konzentrieren. Sanfte, harmonische, beruhigende, aber dennoch etwas bewegte klassische Musik erklingt in der Aula der Heinrich-von-Buz-Realschule in Augsburg-Oberhausen und lässt die Teilnehmer des ersten Reliforums im Sommersemester zur Ruhe kommen. Das Erleben der Musik ist unterschiedlichster Natur: „Farben, die sich formen“, „Frühlingshaftes, Neues entsteht“, „ein breiter Fluss, wie die Donau“ oder auch „wie ein Garten“.

„Sie dürfen sich jetzt irgendeines der hier vorne liegenden Musikinstrumente nehmen und diese im Film so einsetzen, wie Sie es für richtig halten. Der Film wird nämlich ohne Ton abgespielt und Sie machen die Musik dazu.“ Ein Vogel sitzt auf einem Baum, die Sonne strahlt durch die saftig grünen Blätter der hochgewachsenen Bäume. Schellenkranz und Rasseln rascheln leise; nun bewegt sich der Schnabel des Vogels, untermalt vom Klacken einer Kastagnette. Langsam wird das Bild in Nebel gehüllt und die Spannung steigt – die Instrumente werden lauter, bis hin zum fortissimo und man sieht eine Laderaupe, die das ganze Idyll zerstört. Die Filmsequenz wird gestoppt. Nach einem kurzen Austausch über eingesetzte musikalische Umrahmung und den Erfahrungen, verrät uns Frau Eva Kuhn endlich, welches Musikvideo sie stumm abspielte: Michael Jacksons „Earth Song“ – ein durchaus „schöpfungsreiches“ und kontroverses Lied mit den beiden Gegenpolen Paradies und Apokalypse.

Einen anderen musischen Bezug zu Schöpfungstexten behandelt Herr Konstantin Wolf, Konrektor der St. Anna-Grundschule Augsburg, anhand des Sonnengesangs des bekannten Heiligen Franziskus von Assisi. “Ihn, sein Leben, seine Theologie” wie Herr Wolf es treffend formuliert, heißt es den Schülern nahe zu bringen und sein wohl bekanntestes Werk “Der Sonnengesang”. Wir beginnen also die einzelnen Strophen des Liedes zu lesen und eine Strophe zu gestalten, malen, basteln, zeichnen. Hier ist die Devise: “Je mehr Sie später an Material zur Verfügung stellen, desto motivierter sind die Kinder”

Musik und Kunst als eine besondere Sprache zwischen Menschen, die vor allem Emotionen und Gefühle ausdrücken kann. Sie ist also subjektiv und emotionsgeladen, gleichzeitig aber auch lebendig und sinnstiftend – eine Art „Innenansicht auf etwas“, wie ein Teilnehmer in die Gesprächsrunde einwirft. Ähnlich wie mit eben beschriebener Beziehungssprache ist es auch im religiösen Kontext. Religiöse Sprache ist „diese Innendimension im Bezug auf Gott“. Die Außensicht, also eine objektive, rationale und nüchterne Ausdrucksweise nennen wir naturwissenschaftliche Sprache. Ist es möglich, zwei aus unterschiedlichen Sprachperspektiven entstandene Texte zu vereinbaren? Wir wagen einen Versuch in einem anderen Workshop: Auf der einen Seite die sachlich nüchterne Darstellung der Entstehung der Welt, auf der anderen Seite die mit Hilfe religiöser Sprache ausgeschmückte Schöpfungserzählung aus der Bibel.

„Versuchen Sie nun den Schöpfungstext aus der Bibel zu ordnen, was geschah an den einzelnen Schöpfungstagen?“ Gemeinsam erarbeiten die Workshop-Teilnehmer die bekannte Reihenfolge. Mithilfe eines naturwissenschaftlichen Textes werden die Meilensteine der Evolutionstheorie chronologisch betrachtet. Verblüffend ist folgendes: Die grundlegenden Entwicklungen sind identisch. Beginnend mit dem Licht oder eben dem Sonnensystem über Meere, Pflanzen und Tiere bis hin zum Menschen. Beide Erzählungen, die eine als angenommene Theorie, die andere aus dem Glauben an einen mächtigen Gott Geschriebene, können unterschiedlicher und doch ähnlicher nicht sein. Spricht das nicht eindeutig für die Glaubwürdigkeit der Bibel? „Aber was ist mit der Schöpfung der Welt in sechs Tagen?“, könnte vor allem eine Schülerfrage im Religionsunterricht sein. Auch die Teilnehmer sind auf Herrn Manfred Rieggers Antwort gespannt: „Psalm 90,4: Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht“

„Was passiert mit Schöpfungstheologie, wenn wir endlich Aliens entdecken?“. Mit dieser Frage leitet Herr Michael Winklmann die offizielle Abschlussrunde des Reliforums ein, in der er klar auf den Punkt bringen will, dass Gott allmächtig ist und es deshalb keinen Unterschied machen würde, ob es mehrere Welten gibt, auf einem anderen Planeten Aliens unterwegs sind oder nicht. Und wer sich jetzt fragt, was Aliens mit Theologie zu tun haben, bekommt folgende Antwort: „Man glaubt es nicht, worüber sich Theologen alles Gedanken machen“. Denn ein größerer Bereich, über den sich Theologen ihre Köpfe zerbrechen ist beispielsweise das Christusereignis. Besteht das Erlösungswerk Christi über diese unsere Welt hinaus? Auch solche Fragen gilt es in der Theologie zu beantworten, oder es wenigstens zu versuchen.

von Sarah Söllner, Julia Zeller und Carina Kast

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