21.10.2013 – Wunder

„Wunder geschehen/ Ich hab´s gesehen…..

Wunder3

…..es gibt so vieles/ was wir nicht verstehen“. Mit diesem Zitat von Nena beginnt Herr Dr. Joachim Sailer, Seminarrektor i. K., in der 4. Sitzung des ReliForums  Augsburg seinen Vortrag über „Wunder“.

„Gibt es Wunder?“ „Glauben sie daran?“ Mit diesen Fragen, geht er auf die Teilnehmer des ReliForums Augsburg zu. „Wunder sind für jeden etwas anderes. Etwas Außergewöhnliches, das in Verbindung mit etwas Höherem steht“, fügt er hinzu. Irgendwie passen diese Worte in den „Raum der Stille“ der Franz-von-Assisi-Schule. Die ganz oben angebrachten Fenster der schlichten langen Wände lassen Licht auf die Gruppe im Stuhlkreis fallen.

Der thematische Fokus heute liegt auf den  „Wundern Jesu“. Dabei betrachtet Herr Sailer das Kapitel 6 des Markusevangeliums etwas genauer, das von einer Speisung von fünftausend Männern mit fünf Broten und zwei Fischen berichtet.

Wie kann man das verstehen? 5.000 Männer und 5 Brote? Einige Interpretationsmodelle, die neutestamentliche Wundergeschichten beleuchten,  werden in Kleingruppen diskutiert.  Innerhalb der Denkart des „Supranaturalismus“ ist Gott Akteur, durch sein Eingreifen werden Wunder vollzogen. Ist das nicht zu simpel? Dennoch- Gott kann durchaus zugetraut werden Wunder zu vollbringen. Wichtig ist, laut Sailer, aber vor allem der „freie Blick, was Wunder wirklich sind“.

Im Gegensatz zum Wunderverständnis eines Tatsachenberichts im „Rationalismus“, der bei Naturwundern  erklärbare Gründe anführt („große Mengen von Brot wurden in Höhlen gelagert“),   betont der mythische  Ansatz die  Parallelen zum Hellenismus. Auf  „die ganzheitliche Sättigung durch Gemeinschaftsgefühl “ in der Speisung der 5.000 einigt sich die vierte Gruppe der „tiefenpsychologischen Wunderinterpretationen“  und versucht  so einen ganzheitlichen Verstehenszugang zu ermöglichen.

Die Gruppen scheinen tiefer in die Thematik eingedrungen zu sein. Zeit, um neue Impulse zu setzten: Bei all den Wundergeschichten geht es nicht darum, ob sie stimmen und wie sie geschehen. Die Frage, die man sich dabei stellen soll, ist: „Welche Macht zeigt sich in den Wundern und mit welcher Brille betrachte ich sie?“

Nachdenkliche Gesichter. Sailer scheint einen Nerv getroffen zu haben. Wundergeschichten führen in einen  „Streit um das Verständnis der  Wirklichkeit“ hinein, zeigt er  die Position Bernhard Dresslers auf, „darum wie wir uns und die Welt verstehen wollen.“

Sailer pointiert: „Möchte ich in einer Welt leben in der Wunder geschehen? Oder halte ich mich lieber an Tatsachen? Was bedeutet es für mich Hoffnung zu haben?“

Ein weißes Plakat wird in die Mitte gelegt. Darauf ein Zitat von Augustinus: „Ein Wunder geschieht nicht im Widerspruch zur Natur, sondern zu dem, was wir von der Natur wissen.“ Der Denkanstoß erweitert passend die Perspektive: die Begrenztheit des Menschen als ein nicht zu vergessendes Element. Aber: „Es gibt einen, der uns auffängt“, so ein Zitat von Rilke.

Im Anschluss bilden die Teilnehmer zwei Gruppen. Stühle werden gerückt, Bewegung kommt in die Gruppe. Erwartungsvoll wenden sich die Teilnehmer dem schulpraktischen Teil  der Sitzung  zu.

In einer der beiden Gruppen geht es um die Erlebnisse mit Bartimäus. Frau Eva Kuhn, Religionslehrerin,  leitet durch diesen Teil des Abends und stellt die Frage, wann und in welchen Situationen man sich schon einmal mit Bartimäus beschäftigt hat. Viele haben noch Erinnerungen aus der Grundschule, der Kinderbibelwoche oder von Erzählungen durch Eltern oder Geschwister.

„Ich möchte Ihnen einmal zeigen, wie ich das Thema Bartimäus in der Schule durchnehme.“

Frau Kuhn leitet das Thema mit einer Powerpointpräsentation ein. Dabei sind ein Blindenhund, eine Blindenbinde, ein Blindenstock, eine rosa Brille und Titel abgebildet. Einmal mit der Frage: „kein Hindernis?“ Und einmal mit der Aussage „kein Hindernis!“.

Im Hauptteil wird die Bibelstelle (Mk 10,46-52) gelesen. Frau Kuhn lässt nun auch die Bibelstelle von den Teilnehmern nachspielen, was ihrer Meinung nach ein sehr wichtiger Punkt in der Stunde über Bartimäus ist. Die Schüler müssen sich überwinden, beim Rollenspiel mitzumachen. Genauso musste Bartimäus sich überwinden durch die Menge hindurch zu rufen um auffällig zu werden.

Anschließend soll man sich die folgenden Fragen stellen:

1.Wie geschieht das Wunder?

2.Wann beginnt das Wunder?

3.Was bedeutet „blind sein“ (früher und heute)?

Frau Kuhn geht nun mit einer Kerze in der Hand im Stuhlkreis herum. Während alle die Augen schließen, hält sie jedem einzelnen die Kerze nah vor das Gesicht. Die Teilnehmer sollen beschreiben,  was sie fühlen können. „Wärme“ und „etwas Helles“ sind die Antworten fast aller.

Anschließend stellt Frau Kuhn ihr selbst entworfenes Arbeitsblatt zu dem Thema Bartimäus vor. Darauf sind die Knotenpunkte der Geschichte aufgezeichnet. Ebenso die Bilder aus dem Einstiegsfilm.

Am Ende der Unterrichtsstunde werden pro Person zwei Augen aus Tonpapier ausgeteilt. Die Augen sind verschlossen, können jedoch durch Hochklappen der Lider geöffnet werden. Auf den Augen steht jeweils ein Satz, der nun von jedem Schüler selbst für sich beantwortet werden soll. Zum einen: „Ich öffne meine Augen für…“, zum anderen „Jemand hat mir die Augen geöffnet für/als…“.

Mit Hilfe dieser Augen und des Arbeitsblattes, wird den Schülern geholfen, von der rein wörtlichen Ebene der Geschichte auch auf die symbolische Ebene schließen zu können. Etwas, das  bei jedem Schüler individuell fortgeschritten ist.

Die andere Gruppe beschäftigt sich mit der Sturmstillung Jesu. „Das Wasser steht mir bis zum Hals!“ Mit diesem Psalm konfrontiert  Constantin Wolff,  Konrektor und Religionslehrer an einer Grundschule, seine bunt gemischte Gruppe aus Lehrerinnen und Studentinnen, die aktiv an der subjektbezogenen Unterrichtseinheit im Schnelldurchlauf mitmachen.

Große weiße Plakate und Stifte liegen bereit. Es werden stumm hervorgerufene Assoziationen („Panik“, „ruhelos“…) zu dem Psalm notiert. Es  folgt eine Bildbetrachtung zu Sieger Köders „Sturm auf dem See“. Eine monotone beschreibende  Analyse?- Fehlanzeige! „Hilfe!“ „ Wir sind verloren!“,  versetzen sich die Beteiligten in die Lage der verängstigten Menschen in dem zu kentern drohendem   Boot.  Um die Dramatik der Situation noch besser nachvollziehen zu  können, wird die Ouvertüre „der fliegende Holländer“ von Richard Wagner abgespielt. Dabei könnten im Unterricht abstrakte  Sturmbilder auf Tapetenpapier entstehen.

Mitten in das zerstörende dunkle Sturmauge platziert eine Studentin ihr Lebensschiff, eine Walnussschale mit einem zerknüllten und  Sorgen  beschrifteten Zettel.  Vor der Beschäftigung  mit dem biblischen Text kann so Bezug auf das eigene Leben genommen werden.

Ein anschließendes Unterrichtsgespräch wird  aufgrund von subjektiv wichtig empfundenen,  unterstrichenen Sätzen simuliert. „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch immer kein Vertrauen?“. Diese Aussage Jesu ist der Gruppe besonders zentral erschienen. Einen gelungenen  Abschluss sieht Wolff in einem gemeinsamen Ausflug zu einem Bach, bei dem jedes Kind sein Lebensschiff auf das Wasser setzten darf und sich so im Vertrauen auf Gott symbolisch von Nöten und Sorgen losmacht.

Die beiden Gruppen  aber finden sich wieder in einer kurzen Gesprächsrunde ein. Im  großen runden Abschlusskreis sind sich alle einig:  Auf Wunder muss man sich in individueller Art und Weise einlassen.

Eingelassen haben sich auch die Teilnehmer des ReliForums Augsburg auf das Thema „Wunder“.  Durch viele Anregungen und neue Eindrücke bereichert,  macht sich ein jeder auf den Heimweg. Abschließender Kommentar? „Wunderbar!“

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