18.11.2013 – Heilige

„Ein Heiliger ist ein Mensch, durch den die Sonne scheint“

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 Warme Worte eröffnen am 18.11.2013 das ReliForum Augsburg. Doch wie genau ist solch ein Mensch, der vom Sonnenlicht durchdrungen wird? Dieser Frage soll in den kommenden zwei Stunden nachgegangen werden.

Den Einstieg in den Abend zu dem Thema „Heilige“ gestaltet Dr. Joachim Sailer, Seminarrektor i.K., indem er verschiedene Aspekte der Thematik beleuchtet und erklärt: „Lehramt und Heiligsprechung“, sprich die Notwendigkeit der voranschreitenden Seligsprechung, „Heilige“ als das verkündende Organ der Heilsbotschaft Gottes für das Volk sowie „Personen und Orte“, also die Persönlichkeit von Heiligen und deren Verortung, sprich Geschichten und Mythen.

Wo finden wir nun also „Heilige“? Lediglich in Geschichten und Mythen? Sicher nicht. Die Aussage „Jeder Heilige hat eine Vergangenheit und jeder Sünder eine Zukunft“ lässt den Kreis der Heiligen doch recht groß erscheinen. So suchen vor allem junge Menschen, wie unsere Schülerinnen und Schüler, ihre Heiligen ganz konkret im näheren und persönlichen Umkreis. Sie fragen nach: „Wer oder was ist mir heilig und warum?“.

In verschiedenen Workshops werden nun ganz unterschiedliche Personen vorgestellt, die als „Heilige“ bzw. „Selige“ gelten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen Gründe kennen, warum gerade jene Menschen das Prädikat „heilig“ tragen dürfen und warum es sich lohnt, den Schülerinnen und Schülern genau diese Personen näherzubringen.

„Ich erinnere mich an den vollbärtigen Bischof mit Mitra, Stab und goldenem Buch“ – Unumstritten: Hier muss es sich um den heiligen Nikolaus handeln! Dieser hat es geschafft, heute Abend Gehör zu bekommen – angeleitet von Prof. Dr. Manfred Riegger (Universität Augsburg). In der Mitte des Stuhlkreises erspähen wir viele Leckereien: Nüsse, Mandarinen, Schokoladennikoläuse und vieles mehr von dem, was wir jährlich in unserem traditionellen Nikolausstiefel vorfinden. Doch was wissen wir eigentlich über die Person des Nikolaus‘? Viele verschiedene Erzählungen lassen ebenso viele verschiedene Bilder entstehen. Der Konsens: Nikolaus war eine Helfernatur! Im Weiteren wird darüber diskutiert, welche Themenschwerpunkte bezüglich des heiligen Nikolaus‘ im Unterricht gesetzt werden können: sinnvoller Umgang mit Geschenken, Weglassen des Krampuses beim Nikolausbesuch in der Schule und die Abgrenzung Weihnachtsmann – Nikolaus. Ein weites Feld an Einsatzmöglichkeiten ist gegeben. So kann der Nikolaus getreu in jedem Jahr auf eine andere Art und Weise Einzug in den schulischen Religionsunterricht erlangen.

Eine Burg, Tücher, Gold und Perlen, Äste, eine Puppe – mehr braucht es nicht, um, zusammen mit Grundschülern, ein Bodenbild entstehen zu lassen. So wird die Legende einer Frau lebhaft erzählt und verbildlicht: die heilige Elisabeth tritt in die Welt der Schülerinnen und Schüler. Eine Unterrichtsidee, welche eindrücklich von Constantin Wolf, Konrektor und Religionslehrer einer Grundschule, vorgestellt wird. Die Teilnehmerinnen des Workshops dürfen heute erleben, was den Religionsunterricht ihrer künftigen Grundschüler ausmacht: Ein Bodenbild aus verschiedenen Materialien entsteht und erzählt bildhaft, wie sich die heilige Elisabeth für die Bedürftigen ihrer Zeit einsetzt.

Hinter einer dritten Tür trifft man auf Hochprozentiges: Johnnie Walker. Nein, der Whisky ist bisher nicht heiliggesprochen worden! Jedoch verleiht er einem künftig Heiligen seinen Spitznamen. Die Rede ist von keinem Geringeren als von Papst Johannes XXIII., der von 1958 bis 1963 die katholische Welt regierte. „Man kann mit einem Hirtenstab in der Hand heilig werden, aber ebenso mit einem Besen!“ Dieses Zitat beschreibt genau jene besondere Bescheidenheit, die dem ehemaligen Papst zuzuschreiben ist. Anhand von diesem und einigen weiteren Aussprüchen des Konzilspapstes verdeutlicht Frau Eva Kuhn, Realschullehrerin, warum Johannes XXIII. den Status eines Heiligen verdient hat und zeigt auf, wie auch Jugendliche der 9. bzw. 10. Klasse für die Biografie eines Papstes motiviert werden können. Gleichzeitig macht Frau Kuhn auf eine Besonderheit aufmerksam: Der Papst, der im April 2014 heiliggesprochen werden soll, vollbrachte lediglich eines von zwei erforderlichen Wundern. Das zweite Wunder werde ersetzt durch seine friedvolle Persönlichkeit.

Auf eine Zeitreise in die Zukunft sowie in die Vergangenheit wird eine vierte Gruppe von Herrn Josef Erhart, Konrektor der Franz-von-Assisi-Schule, entführt. Die Teilnehmerinnen schlüpfen in die Rolle der Schülerinnen und erleben selbst, was auch sie ihren späteren Schülern vermitteln können: Ausgehend von heute, dem Jahr 2013, blicken wir in das Jahr 2016, in dem die heutigen Siebtklässler ihre Berufsausbildung antreten werden. Dieser Gedanke tritt in den Vordergrund. Wie wird mein Leben dann sein? Wo werde ich wohnen? Welchen Beruf werde ich ergreifen? Immer dieselben Fragen beschäftigen Jugendliche verschiedener Zeitalter. Wir blicken also zurück in das Jahr 1826, in dem der selige Adolph Kolping seine Berufsausbildung begann. Mittels einer Fantasiereise erfasst die Gruppe die Probleme der benannten Vergangenheit: Armut, Arbeitslosigkeit, schlechte Arbeitsbedingungen. Kolpings Biografie wird auf diese Weise lebendig. Im Anschluss wird ein Augenmerk auf die Probleme in der heutigen Zeit gelegt und festgestellt, dass es auch heute hilfsbedürftige Menschen gibt. So soll der selige Adolph Kolping zum Vorbild werden.

Vier spannende Workshops wurden erlebt und abschließend im Plenum präsentiert. Nun wartet nur noch eine Überraschung, bevor sich das ReliForum in die Weihnachtspause verabschiedet. Doch was sieht man: Einen dicken, kugeligen Weihnachtsmann! Haben wir nicht gerade den Unterschied zwischen Weihnachtsmann und Nikolaus geklärt und passt nicht Letzterer viel besser zum heutigen Abend? Aber natürlich! So birgt der Styropor-Weihnachtsmann viele kleine Schokonikoläuse!

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